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Besuch in der Gedenkstätte KZ Mittelbau-Dora Am Donnerstag, den 12.02.2004, fuhren die Geschichtsgrundkurse des 13. Jahrgangs
in Begleitung von Frau Möller-Kühn und Herrn Prange nach Nordhausen, um dort
die Gedenkstätte des KZ Mittelbau-Dora zu besichtigen. Vor Ort teilten wir uns
in zwei Gruppen auf und besichtigten nacheinander die Stollenanlage und Reste
des Häftlingslagers sowie der SS-Gebäude.
Auf dem Weg zum Stollen berichtete unser Führer von den Anfängen dieses Lagers und
den Stollenanlagen. Bereits 1936 begann die Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft
(Wifo) im Kohnstein bei Nordhausen mit dem Bau eines unterirdischen
Treibstofflagers für die Wehrmacht, welches im Spätsommer 1943 nahezu
fertiggestellt war. Dieses wurde jedoch 1943 nach der Zerstörung der
ursprünglichen Produktionsstätte in Peenemünde auf Usedom durch einen
Luftangriff der Royal Air Force zur neuen Waffenschmiede der V1 und V2 Raketen
umfunktioniert.
Im August 1943, zehn Tage nach den Luftangriffen auf Peenemünde, wurden die ersten
Häftlinge aus Buchenwald nach Dora, der neuen Außenstelle Buchenwalds,
deportiert, um dort die genannten Raketen in den Stollen des Kohnsteins zu
bauen. Die Zahl der Häftlinge stieg rapide an, so dass sich Weihnachten 1943
bereits 10.500 in Dora befanden. Sie wurden in Güterzügen mit bis zu 150 Mann pro
Wagon (!) über mehrere Tage transportiert. Die Menschen wurden wie Vieh
behandelt: Sie hatten keine Möglichkeit, ihre Notdurft zu verrichten, konnten
keine Nahrung zu sich nehmen und mussten den ganzen Transport über dicht an
dicht stehen. Durch diese Umstände starben bereits Menschen an ihrer
Erschöpfung. Zum Zeitpunkt der Ankunft der ersten Häftlinge gab es noch keine
Baracken, sodass sie in sogenannten Schlafstollen mit vierstöckigen
Holzpritschen und halbierten Ölfässern, die als Latrinen dienten, untergebracht
wurden. Die Häftlinge mussten zur Ausweitung der Stollen ohne eine Möglichkeit
der Deckung vor Staub und herabfallenden Trümmern Sprengungen vornehmen, die in
Folge dessen viele Leben forderten. Des Weiteren waren die Lebensumstände,
sprich Hunger, Durst, Kälte, mangelnde Hygiene (es gab kein Wasser zum Waschen)
und die schwere Arbeit im Stollen so unmenschlich schlecht, dass Dora bereits
im ersten halben Jahr ca. 6.000 Opfer forderte. Die Toten wurden zur
Einäscherung nach Buchenwald oder Nordhausen gebracht, da Dora noch nicht über
ein eigenes Krematorium verfügte. Es wird davon ausgegangen, dass insgesamt
mindestens 20.000 der 60.000 hierher verschleppten Häftlinge das KZ
Mittelbau-Dora nicht überlebt haben.
Ab Anfang 1944 begann die Umsiedelung der Häftlinge in Baracken. Die Arbeiter aus
den Stollen wurden größtenteils in andere Lager abgeschoben, da die SS
„frische“ Arbeiter für die Raketenproduktion wollte.
Nach einer Pause wendeten wir uns zunächst dem Appellplatz zu. Hier mussten die Häftlinge
oft stundenlang bei Wind und Wetter strammstehen, bis auch der Letzte
angetreten war. Für die SS-Männer war dies eine Ausspielung ihrer Macht und
eine Gelegenheit, die Häftlinge zu schikanieren. Hier mussten die Menschen
teilweise Hinrichtungen von mitgefangenen Kameraden ansehen und auch manchmal
selbst durchführen.
Oberhalb des Platzes befand sich die Feuerwache des Lagers mit einem Löschwasserteich,
der auch dazu benutzt wurde, Menschen auf grausame Art und Weise zum Ertrinken
zu bringen: Aufgrund einer vermeintlichen Seuche wurde von der SS eine
Desinfektion angeordnet, bei der die Häftlinge sich nach dem Abgeben ihrer
Kleidung gegenseitig mit Schmierseife einschmieren und anschließend in den
Löschteich springen mussten. Aus diesem kamen sie jedoch größtenteils aufgrund
der glatten Betonwände nicht mehr heraus und ertranken kläglich.
Die Führung ging mit der Besichtigung des Krematoriums weiter, das erst im Sommer
1944 in Betrieb genommen wurde. Im Gebäude sah man zwei Öfen, von denen jedoch
nur einer in Dora in Betrieb war. Oftmals konnten drei oder vier Menschen
gleichzeitig in dem relativ schmalen Ofen verbrannt werden, da sie aufgrund
ihrer vorhergegangenen körperlichen Schwäche so abgemagert waren. In den Öfen
sind Blumen zum Gedenken an die Opfer niedergelegt worden und an den Wänden
hängen Tafeln mit Fotos und Namen einiger Opfer. Die Asche der Verbrannten
wurde auf die Böschung hinter dem Krematorium gestreut, wo heute kleine Tannen
den Friedhof markieren.
Im gesamten Gebäude hängen Bilder von Toten aus der ehemaligen Leichenkammer des
Krematoriums, welche sehr schockierend wirkten und zur beklemmenden Atmosphäre
beitrugen. In einem weiteren Raum waren Haken in der Wand zu erkennen, an denen
Häftlinge aufgehängt, bzw. Halbtote totgeschlagen wurden. Insgesamt fanden
durch diese Methode ca. 1.500 Häftlinge den Tod.
Unseren Rundgang beendeten wir in einer erhaltenen Häftlingsbaracke, in der jetzt ein
Museum mit Gegenständen und Dokumenten von Häftlingen und SS-Männern
untergebracht ist. Die Gegenstände verdeutlichen das menschenverachtende Leben
im Lager, so z.B. die dünne Häftlingskleidung, schlechtes Schuhwerk und
improvisiertes Essgeschirr, ohne das man nichts zu essen bekam.
Aus unserer Sicht war der Besuch der Gedenkstätte insgesamt ein sehr interessantes,
wenn auch sehr schockierendes, Erlebnis. Die vollzogenen Gräueltaten sind so
unvorstellbar, dass man fast denken könnte, alles sei nur fiktiv, da man solch
brutale Gewalt, wie sie hier verrichtet wurde, normalerweise nur aus Film und Fernsehen
kennt. Daher halten wir es für sehr wichtig, dass durch diese Gedenkstätte und
die vielen anderen dieser Art die Erinnerung an dieses Kapitel deutscher
Geschichte wach gehalten wird, damit nie wieder eine Regierung an die Macht
kommen kann, die mit derartigen menschenverachtenden Mitteln ihre Ideologie
verwirklichen könne.
Jan-Philipp Merten und Matthias Wendlandt
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