Warum Latein ?
I. Latein ist eine Grundsprache Europas
Wer Latein kann, vermag damit eine große Anzahl europäischer
Sprachen leichter zu lernen, z.T. sogar in ihrem Wortschatz
unmittelbar zu verstehen. Man denke an Italienisch, Französisch,
Spanisch oder Englisch. Ja, auch Englisch, dessen Wortschatz
zu 53,6 % romanischer Herkunft ist.
Latein ist aber auch ein Teil der deutschen Sprache geworden:
in Lehnwörtern und Fremdwörtern, Fenster und Mauer, Markt und
Münze, Spiegel und Wein, Straße und Schiff sind solche Lehnwörter, an deren Ursprung wir kaum einmal denken. Die Fremdwörter sprechen für sich: Subvention, Agrarstruktur, Information und Republik, provozierend, liberal usw. Und im Wort
stellt sich geistiger, kultureller und gesellschaftlicher
Wandel dar. Wortgeschichte ist Geistesgeschichte.
Latein war immer die Sprache der Kirche: Messe und Kloster,
Kreuz und Brief, Reform und Konzil stammen daraus. Aus ihrem
Latein wurden durch Übertragung viele neue Worte gebildet. In
Liturgie und Theologie lebt noch viel lateinisches Sprachgut
weiter.
Lateinische (und griechische) Kultur schuf Europa, Europas
geistige Grundlagen legten römische Dichter und Philosophen,
römisches Recht und Staatsdenken, Caesaren und Kaiser, dann
die Kirche und Klöster im hohen Mittelalter: Unsere europäische
Tradition ist weitgehend lateinisch. Wer Französisch lernt,
lernt das Französisch der Gegenwart. Wer Englisch lernt, erlebt darin die Welt von heute. Und beides ist wichtig. Aber
wir brauchen auch den Blick für die Vergangenheit, müssen
wissen woher wir sind, sollten uns Rechenschaft geben von
Zeiten, die uns auch heute noch bestimmen, weil sie uns
prägten. Latein lehrt Gegenwart aus Vergangenheit verstehen.
II. Latein ist die Sprache der Wissenschaft
Latein war immer die Sprache der Wissenschaft und ist es auch
heute noch. Es ist noch immer lebendige Sprache bei vielen
Neuprägungen in Forschung und Technik und Werbung. Mediziner
und Apotheker, Biologen und Historiker, Germanisten, Romanisten,
Juristen, Philosophen, Psychologen und Musiker brauchen Latein.
Das internationale Vokabular der Wissenschaft, und zwar der
Geistes- und Naturwissenschaften, der Technik und Wirtschaft
ist lateinischer (und griechischer) Herkunft.
Latein lehrt denken. Gewiß: nicht nur Latein, aber dieses in
besonderer Weise. Moderne Sprache lernt man vielleicht zunächst
"schneller". Als Sprachen der gleichen Gegenwart haben sie ähnliche Vorstellungsinhalte wie die eigene Muttersprache. Im
Lateinischen ist es von vornherein anders: Jedes Wort stellt,
da es auf Endungen ankommt, ein Problem, jeder Satz eine Denkaufgabe. Kein Wort darf ich übersehen, jedes muß ich genau
beobachten, analysieren, und dann aus den Teilen das Ganze zusammenfügen, kombinieren, Synthesen finden, den Sinn erhellen.
Kurz: Hier wird von jungen Menschen in einem ihnen angemessenen
Rahmen vorwissenschaftliche Arbeit betrieben. Latein ist also
ein Trainingsfeld jeder Wissenschaft, vorbereitende Wissenschaftsschule. Es leistet das, was z.B. auch Mathematik und
Physik anstreben: Abstraktionsfähigkeit, Entwicklung logischer
Denkfähigkeit und Erziehung zu rationaler Analyse.
III. Latein lehrt Ordnungsformen und Sachlichkeit
Lernt man Latein, begreift man bald: Sprache ist ein
geordnetes Gefüge, ein System mit bestimmten, eigenen
Gesetzen. Ein objektiver Befund zwingt zu sachlicher
Auseinandersetzung. Ich lerne begreifen, daß jede Form
im Satz ihre Funktion hat, daß sich der Satz zwar aus
einzelnen Teilen aufbaut, aber ein Ganzes ist. Der Geist
der Sprache formt so auch mich, er läßt mich ahnen, daß
auch ich Teil eines geordneten Ganzen bin. Sollte hier
nicht auch ein gut Stück politisch-sozialer Erziehung
mitgegeben werden? Latein erzieht also zu Objektivierung, zu sachlicher Einordnung, zu sinnbezogenem Dienst.
Und Latein ist nicht schwerer als Französisch oder kultiviertes Englisch, wie es die Gymnasien lehren, nicht
schwerer als Mathematik oder Physik, Schriftbild und
Aussprache entsprechen fast dem Deutschen, und im Gegensatz zu den modernen Fremdsprachen sprechen wir nicht
mehr Latein: wir lesen und übersetzen. Für manchen ist
es leichter, zu lesen und zu übersetzen als zu hören
und zu sprechen.
IV. Latein lehrt Modelle des Verhaltens
Alle Geschichte wiederholt sich, sagt man. Sicher ist das
übertrieben, aber daß ähnliche Ursachen ähnliche Folgen erwirken, das lehrt die Geschichte. Moralische Stärke ließ
Staaten erstehen, wachsende Genußsucht ließ sie zerfallen,
und Macht ohne Moral stürzt durch sich selber. Davon u.a.
sprechen römische Autoren, die besonders viel über politische Ordnungen, über den Dienst an ihnen, über Freiheit und
Verlust der Freiheit nachdachten, Wir lesen sie und diskutieren darüber, um ihre und damit auch unsere Welt zu verstehen.
V. Zusammenfassung: Was bietet Latein? Lohnt es sich?
Es bietet
Grundlagen für die Erlernung moderner Sprachen
und vertieftes Verständnis der Muttersprache;
Einführung in die Terminologie der Wissenschaften;
Einführung zu europäischer Tradition und Verantwortung;
in ganz besonderer Weise: Grundformen wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens;
ständige Erziehung zu Sachlichkeit, Klarheit und
Ordnung;
vertiefte geschichtliche Bildung durch geschichtliche Modelle und menschliche Grundstrukturen.
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Warum Fanzösisch als Schulfremdsprache ?
I. Französisch in der Welt
Durch die Globalisierung unserer Wirtschaft und die Möglichkeit, sich beruflich
in anderen europäischen Ländern niederzulassen, ergibt es sich ganz
natürlich, dass Menschen unterschiedlicher Muttersprache miteinander zu tun
haben. Gleichzeitig benötigen Unternehmer zunehmend Mitarbeiter mit guten
Fremdsprachkenntnissen. Insbesondere Führungskräfte müssen sich im
Umfeld anderer Kulturen sicher bewegen können. Frankreich ist die
viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und mit Abstand der wichtigste
Handelspartner Deutschlands. Viele wissenschaftliche Institute, Behörden und
Firmen beider Länder arbeiten eng zusammen und benötigen zweisprachige
Mitarbeiter auf allen Ebenen.
Französisch wird natürlich auch in anderen Ländern Europas, in Kanada und
in mehreren afrikanischen Ländern gesprochen. Es ist in 35 Staaten der Welt
Amtssprache.
Französisch ist die Bildungssprache par excellence und ermöglicht den
Zugang zu einer der interessantesten Literaturen der Welt sowie zu Theater,
Film, Kunst und Philosophie.
Wenn man Französisch beherrscht, fällt es leichter, andere romanische
Sprachen (z.B. Spanisch, Italienisch) zu lernen, da viele Wörter und die
Grammatik ähnlich sind.
II. Französisch in der Schule
Mit keinem anderen Land unterhält Deutschland so viele Schul- und
Städtepartnerschaften wie mit Frankreich. Fast jeder Schüler/jede Schülerin
hat im Laufe der Schulzeit die Gelegenheit, im Rahmen eines
Schüleraustausches oder einer Klassenfahrt nach Frankreich zu fahren und in
die französische Kultur zu tauchen. Somit bleibt die Landeskunde nicht nur
graue Theorie.
Je früher mit Französisch begonnen wird, desto leichter sind Aussprache und
Schreibweise zu lernen. Natürlich verlangt diese Sprache neue Hör- und
Sprechgewohnheiten. Der französische Satzbau weicht stärker vom
Deutschen ab als zum Beispiel der englische. Doch die Grammatik ist sehr
systematisch. Genaues Arbeiten ist also wichtig und wird von Anfang an
geschult. Dies fördert gleichzeitig auch das logische Denken und trainiert das
Erfassen systematischer Strukturen.
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