Gymnasium Osterode: Projekte: Schule-und-Zeitung: Studieren - warum nicht?
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Studieren - warum nicht?


Studieninformationstage der UNI Göttingen


Eine Chance für Schüler und Studieninteressierte sich über das Studium und alles, was damit zusammenhängt, zu informieren. Ein Informationsheft gibt Auskunft über Ort und Beginn der zahlreichen Veranstaltungen, sodass eigentlich alles klar sein sollte.
Auch eine Gruppe von Schülern des Gymnasiums aus Osterode hat sich entschlossen, das Angebot der Informationstage wahrzunehmen, und befindet sich nun in den überfüllten Hallen des geisteswissenschaftlichen Zentrums der Universität. Fast jeder Studiengang ist mit einem Infostand vertreten, der von Mitgliedern der Institute und trotz der Semesterferien von erfahrenen Studenten betreut wird. Ihre Insider-Tipps kommen besonders gut an, da sie offensichtlich vor kurzer Zeit mit ähnlichen Problemen konfrontiert waren. Persönliche Gespräche mit den Mitarbeitern, ergänzt durch recht umfangreiches Material zum Mitnehmen, bieten tiefere Einblicke in die Studiengänge - aber dazu reicht jetzt nicht die Zeit
Die Osteroder halten sich nicht groß an den Ständen auf, denn sie wissen offensichtlich genau, wo sie hin wollen. Sie begeben sich zu einem Hörsaal, in dem nämlich laut Infoheft die Veranstaltung über Betriebswirtschaftslehre, kurz BWL, stattfinden soll und befinden sich bald in einem überschaubaren, ziemlich gemütlichen Raum, nicht viel größer als ihr Klassenzimmer. Komisch! Noch zehn Minuten bis zum Beginn der Veranstaltung, aber außer der kleinen Gruppe scheint sich keiner weiter für BWL zu interessieren, wo es doch ein sehr beliebtes Fach sein soll. Außerdem: Bei so vielen Menschen, die sich in den Gängen der Uni tummeln, kann es unmöglich sein, dass die Osteroder Schüler die Einzigen an BWL Interessierten sind.
Kurze Zeit später betritt doch noch jemand den Hörsaal, verlässt ihn dann aber wieder kopfschüttelnd. In der Gruppe kommt es zu ersten Differenzen: "Warum sind wir hier bei BWL allein? Wir hätten lieber zu Geschlechterforschung gehen sollen, das hört sich ohnehin viel spannender an. Jedenfalls ist es etwas Neues!" Geschlechterforschung sei eines der so genannten Orchideenfächer wie ihnen später Juliane Just-Nietfeld von der zentralen Studienberatung berichtet.
Man könne diese Fächer als Hauptfach belegen, aber auch als Nebenfach mit 18 verschiedenen Studiengängen kombinieren; was eine entsprechende Vielseitigkeit garantiere. Neben Geschlechterforschung gehören Fächer wie finnisch-ugrische Philologie, Iranistik, Komparatistik, Sinologie und Tibetologie zu dieser Gattung. Im Rahmen der Informationstage wird für derartige Fächer intensiv geworben.
Jetzt, zwei Minuten vor Beginn der Veranstaltung öffnet sich erneut die Tür und eine Frau schaut fragend in den Raum: "Ist das hier die Veranstaltung über Turkologie?" "Nein", sagt die Schülerin, die die Gruppe zu diesem Raum geführt hat. "Hier ist 011 BWL!". Die Frau verschwindet, kommt aber wieder und behauptet selbstbewusst Recht zu haben.
Ein erneuter Blick ins Infoheft und peinliches Schweigen machen den Fehler bei der Raumsuche offenkundig und lässt die Gruppe hektisch aufspringen. Offensichtlich setzen die abgehobenen Universitätstheoretiker bei ihrem Infoheft praktische Lesekenntnisse voraus.

Natürlich kommt die Gruppe nun zu spät zu BWL, ist aber, nachdem sie das Auditorium maximum, den größten aller Hörsäle, erreicht hat, überwältigt von der Vielzahl der Menschen und der Größe dieses Raumes im Kontrast zu dem kleinen Hörsaal. Sie suchen einen Platz, müssen aber teils stehen und können den Redner weder gut sehen noch ausreichend verstehen. Das also ist Massenuniversität.
Jetzt erst mal zuhören, nachher kann man sich immer noch austauschen. Es geht um die elementaren Aspekte: Voraussetzungen, Grund- und Hauptstudium, Berufschancen und so weiter. Eben alles, was man über den gewählten Studiengang wissen sollte. All das, was nicht gesagt wurde, aber trotzdem auf den Nägeln brennt, kann nach den Veranstaltungen an den Infoständen erfragt werden. Hinterher sind einige sicher, dass BWL genau das Richtige für sie ist. Andere sind noch unentschlossen, aber da man noch weitere Infoveranstaltungen besuchen kann, besteht noch Aussicht etwas Passendes zu finden.
Obwohl es für diesen Tag extra schulfrei gegeben hat, ist die Gruppe aus Osterode nach fünf Stunden völlig gestresst. Egal, jetzt erstmal abschalten. Dankbar setzt man den Tipp von Juliane Just-Nietfeld um, sich auch seinen späteren Studienort und nicht nur die Uni anzusehen, und bummelt durch die nahe gelegene Innenstadt.
Zum Schluss sind die meisten überzeugt: Göttingen hat's ... was, das wollen sie später herausfinden, ganz sicher.


Verfasst von:
Florian Borchers (verantwortlich)
Marcus Danne
Marc-Aaron Faesser
Michael Rozycki
Ann-Christin Seyer
Katharina Thiel
Philip Wegener

Gymnasium Osterode
Dörgestr. 34
37520 Osterode
Tel 05522-916870



"In manchen Bundesländern zählt Dreisatz zur höheren Mathematik"


Studientage an der Universität Göttingen


Studientage in Göttingen. Eine Chance für Schüler konkrete Einblicke in den Universitätsbetrieb zu bekommen, den Übergang von der Schule zu erleichtern und ‚seine eigenen kleinen Erfahrungen' zu sammeln. Genau das wollte eine Gruppe des Gymnasiums Osterode auch - in BWL, bekannt als das Fach, das alle anfangen, die nicht wissen, was sie sonst machen sollen. Da es davon bekanntlich viele gibt, war es umso verwunderlicher, dass wir in einem sehr überschaubaren Hörsaal saßen und außer uns anscheinen alle wussten, was sie wollten, nämlich etwas Neues, Spannendes, etwas, was keiner macht und keiner kennt. Diese ‚Orchideenfächer' wie Japanologie, Arabistik oder byzanthinische Kunstgeschichte hören sich wirklich toll an. Vielleicht etwas abschreckend. Während eines Interviews mit Juliane Just-Nietfeld von der zentralen Studienberatung wurden wir mit noch mehr tollen, neuen Studiengängen überhäuft, z. B. Komparatistik. Was sich zuerst spannend anhört, entpuppt sich als ‚vergleichende Literaturwissenschaft verbunden mit Philologien'.Dann vielleicht ‚Geschlechterforschung'? Immerhin sehr vielseitig. 18 verschiedene Studiengänge miteinander verbunden. Darunter Ethnologie (Völkerkunde) und Pädagogik. Schon besser, aber nicht das, was wir suchen. Wir wollen doch BWL...
Dann sollten wir uns doch einmal die interdisziplinären Studiengänge ansehen. Wirtschaftswissenschaften gekoppelt mit Agrarwissenschaften. Vielseitige Einsatzmöglichkeiten, gute Berufsaussichten. Außerdem wären die Professoren der überlaufenen Fächer wohl dankbar für jeden, der es sich doch anders überlegt, und die ‚Orchideenfächer' wollen vielleicht den Rest der Welt davon überzeugen, dass sie mit ihrem Studiengang dem Rest der Welt helfen können. Egal, wir wollen nur eins und zwar BWL. Noch 5 Minuten bis zum Vorlesungsbeginn. Hin und wieder gucken ein paar Köpfe um die Ecke, verschwinden dann aber immer wieder.Immer noch ziemlich alleine in den Hörsaal. Und das, wo doch über 6000 Schüler aus Niedersachsen und den umliegenden Bundesländern die Studientage besuchen. Sollte der Studientag etwa nicht Werbung für den Studienort Göttingen sein? Juliane Just-Nietfeld nannte es in ihrer netten Art "wir machen aufmerksam". Aufmerksam auf was? Aufmerksam auf Göttingen, eine Stadt, die weder Kleinstadt noch Metropole ist, und bei der man mit Studienantritt die Garantie bekommt, dass man mit dem Fahrrad ziemlich alles erreichen kann. Göttinger Studenten drücken es etwas anders aus:"Egal, wo man hingeht, man kennt immer wen!"
Ein Professor für VWL hält Göttingen sogar für eine Universitätsstadt mit hohem niedersächsischem Niveau, denn "in anderen Bundesländern zählt Dreisatz zur höheren Mathematik". Alles gut und schön, aber wie sollen wir in den Genuss dieser Bildung kommen, wenn wir hier im Hörsaal ‚rumsitzen und nichts passiert?
Den Übergang von der Schule müssen wir wohl wirklich noch lernen oder vielleicht sollten wir doch besser gleich noch einmal mit der Grundschule anfangen, denn lesen sollte man an der Uni schon können. Wir sind nämlich nicht in Raum 011 sondern in 001, Agrarwissenschaften.
Wir schaffen es gerade noch pünktlich in den richtigen Hörsaal zu kommen, in dem von Überschaubarkeit nicht mehr die Rede sein kann. Hunderte von unbequemen Holzsitzen, fast alle besetzt. Anscheinend gibt es doch noch viele , die nicht wissen, was sie wollen oder vielleicht wollen sie es ja wirklich. Ob allerdings sich noch kurzfristig jemand für die Agrarwissenschaften entschieden hat, haben wir nicht mehr erfahren. Dabei hat man doch so gute Berufschancen....


Ann-Christin Seyer
Gymnasium Osterode/Harz





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