Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode am Harz
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Zum laufenden Schuljahr 1999/2000

In Niedersachsen stand der Beginn des neuen Schuljahres am 2. September 1999 im Zeichen einer Reihe von Neuerungen und zugleich des alten Streits um Unterrichtsversorgung. Während die Kultusministerin zum Beginn des Schuljahres darauf hinwies, dass das Land 2722 neue Lehrer eingestellt habe so viele wie seil 20 Jahren nicht mehr, lenkten die Lehrerverbände und die Opposition die Aufmerksamkeit darauf, dass es für 20 000 Schüler mehr im Lande keinen einzigen zusätzlichen Lehrer mehr gebe, weil mit den Neueinstellungen nur die ausgeschiedenen Kräfte ersetzt worden seien. Die Unterrichtsversorgung, die schon in den vergangenen Jahren mangelhaft gewesen sei, werde sich daher weiter verschlechtern, wurde von Kritikern der niedersächsischen Bildungspolitik beklagt. Wie sieht die unterrichtliche Situation im laufenden Schuljahr für unsere Schule aus?
Der entscheidende Gesichtspunkt bei der Beurteilung der Unterrichtsversorgung allgemein und an einer einzelnen Schule ist der anzulegende Maßstab. Und da hat es sich mittlerweile bis zum letzten Bundesbürger herumgesprochen, dass wir mit den Worten des Alten Testamentes in den sieben mageren Jahren leben. Die volle, z.T. übervolle Unterrichtsversorgung vergangener Zeiten kann wohl kaum der Maßstab für heute sein. Ältere Lehrkräfte können sich aus den 60er und den beginnenden 70er Jahren durchaus noch an eine Unterrichtsversorgung erinnern, die bedeutend schlechter war als unsere gegenwärtige. Dies beschreibt die rationale und auch emotionale Stimmungslage der Verantwortlichen des Gymnasiums Osterode, als wir zu Beginn des Schuljahres eine gesicherte Unterrichtsversorgung von 95% sahen. Aufatmen am Osteroder Gymnasium: Unter den gegebenen und von uns nicht veränderbaren Umständen noch eine insgesamt erträgliche und vertretbare Situation. Deutlich an dieser Stelle ist zu sagen, dass das Gymnasium Osterode eine Dienststelle des Landes ist und sich nicht - auch in der Meinungsbildung - an parteipolitisch oder verbandspolitisch motivierten Aktionen beteiligt.
Die unterrichtliche Situation seit Beginn des Schuljahres wurde durch folgende Fakten beeinflusst o den vielwöchigen Klinikaufenthalt einer Lehrkraft (eine Reha-Maßnahme)

 

- die längerfristige Erkrankung von zwei Lehrkräften (zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abgeschlossen).
Hier hat die Bezirksregierung schnell dem Antrag der Schule entsprochen und 'Feuerwehr'-Lehrkräfte geschickt.
Von der Stundenzahl her decken diese Feuerwehr-Lehrer allerdings nur ca. 2/3 der ausfallenden Stunden ab. Der Rest wird durch Rückgriff auf den 'Flexi '-Erlaß aufgefangen und stellt damit eine Hypothek für das nächste Schuljahr dar. Durch internationale Vergleichsstudien angesprochen, wird seit geraumer Zeit in der Bundesrepublik eine Qualitätsdebatte geführt. Als ihre Beiträge zur Qualitätsdebatte hat die Kultusministerin die Probleme herausgestellt, die zum l. August in Kraft getreten sind:
- Zum Abschluß des neuen Schuljahres werden alle 10. Klassen erstmals einem Abschlusstest unterworfen, der den erreichten Leistungsstand in Mathematik und Deutsch oder einer Fremdsprache dokumentieren soll
- Schüler, die mit zwei "Mangelhaft" ohne Ausgleich die Versetzung knapp verfehlt haben, erhalten auf Empfehlung der Klassenkonferenz die Chance, die Versetzung durch Nachprüfung in einem Fach zu erreichen.
- dritte Neuerung ist die Regelung, die hoch Begabten das Überspringen einer
Klasse erleichtern soll.
Abzuwarten ist, ob in Niedersachsen wieder Kopfnoten im Schulzeugnis erscheinen. Entsprechende Pläne kündigte die Ministerin zum Beginn des Schuljahres an. Die vor 25 Jahren abgeschafften Kopfnoten sollten 'in moderner Form' wieder eingeführt werden, zunächst allerdings nur in den Klassen 7 bis 10. Neben den Leistungen der Schüler in einzelnen Fächern möchte die Ministerin auch das Arbeits- und Sozialverhalten bewertet wissen. Damit werde "pädagogischen Überlegungen der vergangenen Jahre Rechnung getragen", sagte sie. Die Schule habe sich nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um Persönlichkeitsbildung zu bemühen; da Fachwissen immer schneller veralte, werde zunehmend Wert auf Teamfähigkeit und Leistungsbereitschaft gelegt.

R. Krömer


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