Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode am Harz
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Annegret Mittmann Abitur 1988 - Diplom-Fachübersetzerin

Was macht man mit Sprachen und Mathematik, wenn man nicht ins Lehramt gehen möchte? Diese Frage stellte ich mir schon während der Schulzeit und kam zu keinem befriedigenden Ergebnis... Die Berufswahl konnte ich nach dem Abi 1988 um ein Jahr hinauszögern, da ich unbedingt ein Jahr als Aupair nach Frankreich gehen wollte. Durch Zufall geriet ich danach an eine Broschüre der Universität Hildesheim, die den Studiengang "Fachübersetzen Technik" - FÜT -(seit Wintersemester 98/99 "Internationale Fachkommunikation", IFK) anbot. Die Sachfächer Maschinenbau und Elektrotechnik, die man dort zusätzlich zu zwei Sprachen und Linguistik wählt, sagten mir zwar nicht gerade viel, aber nach einer Beratung vor Ort beschloß ich, daß dieser Studiengang genau das Richtige für mich sei!
Der Studiengang umfaßt eine Regelstudienzeit von 9 Semestern und schließt mit dem Diplom ab. Ich habe von meinen fünf Studienjahren 3 Semester im Ausland verbracht. Die Uni Hildesheim hat diverse Partnerschaften mit Unis in Großbritannien, Frankreich, Belgien, Spanien, USA (vielleicht inzwischen auch weitere), und Austauschsemester werden teils über BaFög teils über ERASMUS-Programme gefördert. Ich habe Französisch und Englisch studiert und mir nebenbei an der Uni Kenntnisse in Russisch, Niederländisch und Italienisch angeeignet (nach dem Studium ein wenig Spanisch, Dänisch, Polnisch).
Zusätzlich zu meinem Jahr in Frankreich, wo ich neben meiner Au-pair-Tätigkeit Französischkurse an der Universität besucht hatte, konnte ich ein Semester in Großbritannien verbringen. Diese Auslandsaufenthalte möchte ich nicht missen und sehe sie für jeden, der nicht nur eine Fremdsprache beherrschen möchte, als unbedingt notwendig an, um auch Land, Leute und Kultur kennen und verstehen zu lernen. Aus meinem Auslandssemester in Birmingham ergab sich über Umwege ein Kontakt zu einem Technischen Übersetzungsbüro (wunderschön gelegen in einem Nationalpark zwischen Manchester und Sheffield, dem Peak District), in dem ich schließlich nach einem Sommerjob ein ganzes Jahr als EU-geförderte Praktikantin (COMETT) gearbeitet habe und nebenbei meine Diplomarbeit schrieb. Im Anschluß an das vielseitige Studium arbeitete ich zuerst mehrere Jahre als angestellte Übersetzerin in einem Übersetzungsbüro, dann in zwei Software-Lokalisierungsfirmen in Großbritannien. In allen drei Stellen habe ich viel dazugelernt, angefangen von "einfachen" Dingen wie sich zu organisieren. Faxe zu senden, diplomatisch zu telefonieren...

 

Durch die beiden Stellen in Großbritannien habe ich mich "zufällig" mehr und mehr in Richtung Software-Übersetzungen spezialisiert, ein Gebiet, in dem ich inzwischen neben technischen Pressemitteilungen hauptsächlich tätig bin. Leider ergab es sich dadurch, daß ich fast nur mit Englisch arbeite (aus dem Englischen ins Deutsche - hier wird sehr viel mehr darauf Wert gelegt, daß aus Qualitätsgründen nur in die Muttersprache übersetzt wird). Zwischen meinen verschiedenen Stellen habe ich mir immer wieder die Möglichkeit längerer Auslandsaufenthalte (Reisen und Praktika) eingeräumt und konnte feststellen, daß ein Jahr Aupair nach dem Abi längst nicht die einzige und letzte Chance ist "rauszukommen" - für Anfang nächstes Jahr stehen hoffentlich vier Monate Südamerika ins Haus... (was ich meinen Kunden schonend beibringen muß). Seit etwas über einem Jahr bin ich inzwischen als freiberufliche Übersetzerin tätig. Das war und ist für mich zur Zeit die beste Lösung, da ich aus privaten Gründen häufig innerhalb Großbritanniens umziehe. Da ich Aufträge von meinen Stammkunden über meine gleichbleibende E-Mail-Adresse bekomme, ist der tatsächliche Wohnort auch fast egal, und ich werde wohl meine Kunden auch behalten, wenn ich im nächsten Jahr voraussichtlich wieder in "Kontinentaleuropa" ansässig sein werde. Auch finanziell lohnt es sich, und es macht Spaß, sich seine Zeit selbst einteilen zu können. Die Erfahrungen aus meiner Zeit als angestellte Übersetzerin kommen mir jetzt zugute. - Und wenn ich in den Urlaub gehen möchte, sage ich einfach, ich sei nicht da oder ausgebucht (was man aber nicht ausnutzen sollte, um nicht irgendwann doch als unseriös zu gelten). Allerdings arbeite ich meistens doch zu normalen Bürozeiten..., auch wenn draußen die Sonne scheint, und manchmal fehlt mir der direkte Kontakt zu Arbeitskollegen. Meine Kämpfe mit PC und anderer Technik muß ich natürlich auch ganz alleine austragen, was ab und zu sehr frustrierend und zeitraubend sein kann - dann ist es gut, per E-Mail (so diese im Ernstfall funktioniert) oder Telefon auf alte Bekannte mit mehr Computererfahrung zurückgreifen zu können.
Und nun die Moral von der Geschicht': Ich würde das gleich wieder studieren und es auch anderen empfehlen, die vielseitig interessiert und veranlagt sind. Für Interessenten bin ich (vorläufig bis Ende Januar 2000) erreichbar (...) über meinen Vater am Gymnasium.

Annegret Mittmann


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