Die nachmittägliche Begrüßungsfête im Collège wurde fast einhellig als "langweilig" oder "nicht so doll" apostrophiert; das lag an der "Tageszeit", der "Kontrolle" durch anwesende Lehrer und Eltern und an der "schlechten Musik" und der dadurch schlechten Stimmung. Manchen fiel auf, dass Deutsche und Franzosen getrennte Gruppen bildeten; ein(e) Schüler/in bekannte, dass der Alkohol fehlte.
17 Teilnehmer/innen möchten, dass mehr Ausflüge in der Gruppe mit den "Corres" stattfinden; 10 reichte das Angebot offenbar aus. Immerhin erklärten 23, daß sie bei dem gemeinsamen Tagesausflug an die Küste mehr mit ihren deutschen Freund/inn/en zusammen waren, nur 4 in der Regel mit ihren französischen Correspondants.
Die Hälfte von allen hatte keine Ideen für weitere Aktionen oder Ziele, war also zufrieden! Immerhin 6 Schülerinnen und Schüler würden gern einen Ausflug nach Paris einplanen. Sonst gab es im allgemeinen Einzelmeinungen, die spezielle Interessen widerspiegeln, z.B. Schlittschuhlaufen, Schifffahrt, Schwimmbad, Einkaufstag, Zoo u.a.m. Ein gemeinsamer sportlicher Wettkampf (wie in Deutschland) wurde auch gewünscht, und sogar der Wunsch nach einem Austausch über mehrere Jahre wurde laut. Nun, dem braucht nach dem schulischen Anstoß auf der privaten Schiene ja nichts im Wege zu stehen...
Die persönlichen Ergebnisse und Eindrücke sind sehr vielfältig. 27 Teilnehmer hielten den Austausch für richtig, 11 darüber hinaus für notwendig. 26 behaupten, besser französisch sprechen und 29 besser verstehen gelernt zu haben. 25 können jetzt die Lebensart der Franzosen besser verstehen (3 nicht). Einen eher positiven ("gut, ganz nett, schön, interessant, positiv") Eindruck von Nordfrankreich nahmen 27 mit; nur selten gab es die Meinung "gemischt, mittelmäßig, nicht so gut".
Schwer auszuwerten waren naturgemäß die Fragen "Mich hat folgendes überrascht:...", "Folgendes war anders, als ich es mir vorgestellt habe:..." und "Folgende Vorstellungen von Frankreich und den Franzosen haben sich bestätigt:..."; die Aussagen dazu können gemeinsam betrachtet werden Hier zeigt sich, dass doch unterschiedliche Vorstellungen von unseren Nachbarn im Westen in den Köpfen herumgeistern, so dass mehrfach gegenteilige Äußerungen zu verzeichnen sind.
Überraschend waren für einige die Gastfreundschaft, die ihnen entgegengebracht wurde, und das gute Miteinander von Alt und Jung in den Familien, auch bei größeren Veranstaltungen wie dem "Bal Fol". |
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Nicht in allen Familien werden die Kinder so streng erzogen wie erwartet, aber der Eindruck von wenig Freizeit bei den Jugendlichen ist geblieben.
Eine wichtige Rolle spielen die häuslichen Verhältnisse. Die Erwartung engerer Wohnungen und kleinerer Häuser wurde nicht immer bestätigt, und auch der Lebensstandard war i.a. höher als vorgestellt. Es gab dazu aber auch ausgesprochen negative Äußerungen. Auffallend waren mehrere Bemerkungen zu (fehlender) Heizung in einigen Zimmern und Wohnungen; immerhin war es Ende März teilweise noch empfindlich kalt.
Das Essen spielte naturgemäß eine zentrale Rolle: Neben Anmerkungen über das karge Frühstück (wenn überhaupt) wurde eher positiv berichtet. So beeindruckten die Zahl der Gänge beim Essen und die lange Dauer mancher Mahlzeiten; aber es fiel auch auf, dass die Franzosen deshalb normalerweise nicht mehr essen als wir Deutschen. Die Qualität des Essens in den Familien wurde gelobt (im Gegenteil zum Essen in den Schulkantinen). Der "typisch französische" Konsum von Wein und Käse hielt sich offenbar in Grenzen.
Manche waren überrascht, dass die französischen Corres auch abends aus dem Haus durften, dass aber trotz der Nettigkeit in der Familie strenge Erziehungssitten herrschten. Andere wurden davor gewarnt, abends noch durch die Stadt zu gehen. Die Stadt Armentières selbst hat keine besonderen Eindrücke hinterlassen, auf einige wirkte sie heruntergekommen oder verarmt.
Vielleicht können aus den Ergebnissen dieser - bei 30 Fragebögen sicher nicht ganz repräsentativen - Umfrage Rückschlüsse für die Vorbereitung weiterer Austauschfahrten gezogen werden. Insgesamt scheint der Austausch jedoch wesentlich mehr positive als negative Eindrücke hinterlassen zu haben. Und wenn dann einzelne überrascht sind, dass sich "meine Französin viel mehr mit mir unterhalten hat als in Deutschland" oder jemand "zum Schluss fast alles verstanden hat, was geredet wurde", dann können die Stadt Osterode als Träger und wir Lehrer/innen als vorbereitende und betreuende Personen durchaus zufrieden sein.
Hans Mittmann
(Der Austausch 2000 wurde begleitet von Frau Engelhardt, Herrn Schmidt und Ehepaar Mittmann.) |