Habt Ihr davon gehört? Bestimmt, denn es war doch in allen Nachrichten! 200.000 Menschen bei der Demo "Aufstand der Anständigen" (bzw. "Wir stehen auf für Menschlichkeit und Toleranz!") in Berlin! Und wir waren dabei! Am 9. November fuhr ein Bus mit Schülerinnen und Schülern des 12. und 13. Jahrgangs sowie Herrn Schwalm und Frau Menkens ebendorthin.
Zunächst hatten wir glücklicherweise fünf Stunden frei, in denen wir die unermessliche Vielfalt dieser großen Hauptstadt bewundern konnten. Die Eindrücke waren zahlreich: Bezüglich des politischen Bereiches besuchten viele das Reichstagsgebäude, andere waren in Museen, die nächsten nutzten die kilometerlangen Einkaufsstraßen aus, wir lernten ein sehr schönes, gewissermaßen gemütliches Viertel (Prenzlauer Berg) kennen und besichtigten selbstverständlich weitere typische Merkmale wie Siegessäule, Brandenburger Tor (leider verhüllt wegen Bauarbeiten) usw. Das alles geschah bei schönstem Sonnenschein, der durch die vielen herbstlich gefärbten Bäume fiel!
Am Spätnachmittag traf sich der Großteil zur Kundgebung an der Neuen Synagoge wieder, einige Nachzügler reihten sich später in den anschließenden Demo-Zug ein. Die ganze Zeit über nun präsentierten die Teilnehmer/innen ihre sehr unterschiedlichen Meinungen. Während Autonome die Demo als Heuchelei betrachteten, nannten viele andere das Geschehen(e) "Leitkultur". Die nächsten echauffierten sich darüber, dass überhaupt Kritik am Begriff "Leitkultur" geäußert wurde, und einige Alternative verliehen spontan a capella ihrer Position Ausdruck.
Die Organisatoren waren auf viele, aber nicht auf 200.000 Menschen vorbereitet, weshalb an einer Ausweichstelle eine Großbildleinwand eingerichtet worden war, auf der wir noch einige Reden (von Spiegel und Rau) und Vorträge verfolgten. Dem politischen Aspekt konnten wir allgemein keine 100%-ige Aufmerksamkeit mehr schenken; |
|
als Provinzler waren wir inzwischen einer überwältigenden Reizüberflutung ausgesetzt. Überdies befanden wir uns zwischen Würstchen-, Maronen- und Getränkeverkäufern sowie vielen, vielen Menschen, was eine gewisse Jahrmarktstimmung aufkommen ließ.
Aber durch unsere Teilnahme und Auseinandersetzung mit der Thematik hatten wir ein Zeichen gesetzt. Eine von uns beobachtete Gruppe von ca. sieben- bis zehnjährigen Kindern beschäftigte uns noch im Nachhinein: Diese kleinen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe sangen: "Wir demonstrieren auf allen Vieren, denn wir wissen, Nazis sind beschissen!"
Fast unbeschreiblich waren die Atmosphäre und das Gefühl, als wir den Rückweg zum Bus antreten mussten: Vollmond, sternenklarer Himmel und die Schicksalssinfonie, die uns noch ein ganzes Stück begleitete und schließlich immer leiser wurde. Ein letztes Mal konnten wir die Lichter der Stadt bei Nacht auf uns wirken lassen, während bereits die vielen unterschiedlichen Erlebnisse ausgetauscht wurden. Es lag eine selige Stimmung in der Luft, begeistert, einen so vollkommenen Tag erlebt zu haben!
Deshalb ein ganz großes Dankeschön an alle, die diese Fahrt mitorgani-siert und sich eingesetzt haben, damit sie nicht ins Wasser fiel!
In diesem Sinne: Vielen Dank, Herr Schwalm - da Sie uns den Anstoß zum "Aufstehen" gegeben haben!
Johanna Nienstedt, Jahrgang 13 |