Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode am Harz
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16. Februar 2004 aus dem Harz-Kurier

Briefe an die Redaktion

Die veröffentlichten Zu- schriften stellen die per- sönliche Meinung des Einsenders dar und decken sich nicht unbe- dingt mit der Meinung der Redaktion.
„Rhetorisches Design"
Kennen Sie schon den Aus-druck „rhetorisches Design"? Es ist die Fähigkeit etwas schön zu reden, was nicht schön ist. In Osterode ist das anders. Hier entscheidet der Schulausschuss des Land-kreises Osterode, wohlwis-send, dass es eine schlechte Entscheidung ist, zur „Stär-kung der Hauptschule", eine von ihnen zu schließen. Man redet nicht schön, man ist sich voll bewusst, dass dies eine enorme Ver-schlechterung der fachlichen Versorgungsqualität der
Schüler bedeutet. Vielleicht hat man die Unterschriften von insgesamt 3 900 Eltern, die sich für einen Erhalt der beiden Hauptschulen ein-setzten, falsch verstanden. Die Akzeptanz der Haupt-schularbeit bei den Eltern zeigt sich ja gerade in den langjährigen Anmeldungen zu dieser Schulform in Oste-rode (auch im kommenden Schuljahr liefe die Schule Dreilinden in allen Klassen zweizügig weiter). Wo soll die Schule am Neustädter Tor die zusätzlichen circa 150 Schüler unterbringen? Kann die Schule dort so „qualitätsoptimiert und effi-zient" und integrativ ar-beiten, wie bisher? Auf eng-stem Raum ohne Fachräu-me? Die individuelle Förde-rung von Arbeitsbereitschaft, sozialem Verhalten, Bereit-schaft Verantwortung zu tra-
gen wird bei fast doppelter Schülerzahl ab August 2004 an der Hauptschule Neu-städter Tor nicht nur räum-lich begrenzt sein. Sollte der Antrag auf Einrichtung einer Ganztags-schule am Neustädter Tor gar auf eine „Schicht-schule" (vormittags - nachmittags) hinauslau-fen? Zweite Leidtragende sind die Schüler und Lehrer des Gymnasiums. Ihnen bleiben die in Aussicht ge-stellten Räume am Rödden-berg nur, wenn sie wirklich gebraucht werden. Dieser Satz ist pure Ironie. Das Rückbauen von Fachräu-men, Büchereien u. ä. zur Schaffung von Unterrichts-räumen ist nur sehr berenzt sinnvoll. Die Qualität der Arbeit steigt nicht mit der Zahl der im Stammgebäude des Gymnasiums unterge-brachten Schüler.
Sollen die Eltern eine „ge-wünschte" Konsequenz zie-hen und ihr Kind zur Realschule und im anderen Fall in die umliegenden Gymnasien geben? Hat man an die Kinder gedacht, die demnächst zusätzlich morgens in die Innenstadt laufen beziehungsweise ge-fahren werden? Allein die Schüler der Wartbergschule werden freigewordene Fach-räume und Sportstätten dankbar nutzen können. Das ist gut. Ob die Ergebnisse der PISA-Studie sich auf diese Weise so dramatisch verbessern lassen, wie es die wirtschaftliche Situation verlangt, bleibt dahinge-stellt.

Jochen Strippelmann
Drosselweg 8
Osterode




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