Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode am Harz
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5. März 2005 aus dem Harz-Kurier

„Gymnasium selbst hat sich Namen gewünscht"
Namensgebung nach Tilman Riemenschneider - „Harz Kurier" sprach mit Schulleiterin Thiele
OSTERODE (mp/red). Es waren einige Namensgeber im Ge- spräch: Entschieden hat man sich schließlich aber für den genialen Bildschnitzer Tilman Riernenschneider, der ein Teil seiner Kindheit in Osterode verbracht hat. Nach dem Kreistagsbeschluss vom 21. Februar wird das Osteroder Gymnasium nun bald „Tilm- an Riemenschneider-Gymna- sium heißen". Der „Harz Ku- rier" sprach mit Schulleiterin Karin Thiele über die Hinter- gründe, die zu dieser Namens- findung führten.

Harz Kurier: Das Kreisgymna- sium in Osterode heißt ab dem Schuljahr 2005/06 „Tilman- Riemenschneider- Gymnasi- um ", warum eigentlich?

Karin Thiele: Das Gymnasium in Osterode hat bisher keinen Namen gehabt. Was wenigen bewusst ist: Es war über Jahr- zehnte hinweg namenlos. In den vergangenen 30 Jahren gab es mehrere Ansätze, der Schule einen Namen zu ge- ben, alle scheiterten jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen. Aus der Schüler- schaft und auch aus dem Kreis ehemaliger Schüler, zum Teil Eltern heutiger Schüler, wurde im Juni 2004 der Wunsch an die Schullei- tung herangetragen, die Ein- richtung endlich mit einer Be- zeichnung auszustatten.

Welche Gründe genau stan- den hinter dem Wunsch einer Namensgebung?

Unsere Schüler waren und sind bei vielen außerschuli- schen Wettbewerben und Ak- tivitäten beteiligt. Der größte
Teil der anderen Schulenver- treter, zumeist Gymnasien, identifiziert sich in besonde- rem Maße auch über den Na- men mit der eigenen Schule. Es war besonders dieses An- liegen, das mich die Initiative der Schüler unterstützen ließ.

Warum erfolgt die Namens- gebung eigentlich erst jetzt?

Die Namensgebung einer Schule geht einen rechtlich klar vorgezeichneten Weg. Nur der Schulträger kann laut Schulgesetz einer Schule einen Namen geben. Die Na- mensgebung erfolgt auf der Grundlage von Abstimmun- gen in den kommunalen Gre- mien.

Ist die Schule also gar nicht beteiligt worden?

Doch: Das Gymnasium selbst war es, das sich den Namen Tilman-Riemenschneider- Gymnasium gewünscht hat. Mit den Schülern hatte wir folgende Vereinbarung getrof- fen: die organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen bis hin zur Antragstellung hat die Schulleitung geklärt und die Schülerschaft ging auf Namenssuche. Wie sich schnell zeigte, hatten wir da- bei Kriterien zu beachten, die der Landkreis uns setzte Ei- nige der spontanen Vorschlä- ge wie Astrid- Lindgren-Gym- nasium oder Gymnasium an der Söse fielen dann schon weg. Insgesamt dauerte der Meinungsbildungsprozess über acht Monate. Dabei wur- den die verschiedensten Gre- mien der Schule und außer- schulische Interessensvertre- ter in den Findungsprozess
einbezogen. So waren der Landkreis und die Stadt Osterode, der Heimat- und Geschichtsverein, der Förder- verein, die Schulelternvertre- tung und andere mehr in allen Phasen bis zur entscheiden- den Gesamtkonferenz dabei. Am 7. Dezember 2004 stimm- te diese dem Antrag der Schülerschaft auf Benennung nach Tilman Riemenschnei- der zu.

Warum gerade der Name Tilman Riemenschneiders?

Wenig bekannt ist, dass Tilm- an Riemenschneider seine Kinder- und Jugendjahre in Osterode verbrachte, er ging also hier auch „zur Schule". Der Künstler Tilman Riemen- schneider ist zudem interna- tional hochgeschätzt. Dass er in seinem Leben auch als Bür- germeister und Ratsherr von Würzburg Geschichte schrieb, verdient ebenso Beachtung. Der Bürger Tilman Riemen- schneider setzte sich aktiv für die Freiheit der Menschen ein und unterstützte im Bauern- krieg von 1525 das Volk. Er wurde für seine Überzeugung gefoltert und eingekerkert.

Auch wenn „Gymnasium Osterode" kein eigentlicher Name war, gibt es doch sicher auch diejenigen, die an dem Namen hängen?

Ja natürlich, gerade Kollegin- nen und Kollegen, die viele Jahre ihres Berufslebens so verbrachten. Davor habe wir Respekt und bei aller Freude über den Erfolg der Schüler- schaft bei der Namensgebung, das Tilman-Riemenschneider- Gymnasium bleibt es das
Harzkurier
05.03.2005 Schulleitenn Kann Thiele. FOTO: MICHAEL PAETZOLD

Gymnasium in Osterode am Harz.

Gibt es jetzt Veränderungen durch den neuen Namen?

In den nächsten Wochen und Monaten müssen wir in der Schule erst einmal die organi- satorischen Voraussetzungen scharfen, das heißt Schrift- köpfe für Briefe und Formu- lare werden geändert, Stem- pel neu bestellt und vieles mehr. Daneben sammeln wir Ideen für die Umsetzung im Schulleben und für das Bild unseres Gymnasiums nach in- nen und außen. So werden wir sicher nicht nur das Namens- schild am Eingang neu gestal- ten. Schülern, Eltern, Leh- rern und allen die schon am Prozess beteiligt waren wird sicher viel einfallen. Wir bit- ten aber auch um Anregungen und Unterstützung aus Ge- sellschaft und Wirtschaft.

Vielen Dank für das Ge- spräch.




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