30. September 2005 aus dem Harzkurier
Sollte zum Bahnhof werdenÜber die Nutzung der Schachtrupp-Villa Von Ekkehard Eder
Die Schachtrupp-Villa und einige ihrer Nebengebäude. FOTO: STADTARCHIV OSTERODE
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| OSTERODE. Da die Schachtrupp- sche Bleiweißfabrik am Scheeren- berg in den 1850er Jahren in wirtschaftliche Schwierigkeiten ge- raten war, sah sich der Eigen- tümer gezwungen, seine bislang als Wohnsitz genutzte Villa auf dem Lindenberg vor Osterode zu verkaufen . So plante man u. a. das Anwesen als Bahnhof zu nutzen. Später gab es noch mehrere Versuche, in dem Ge- bäudekomplex eine Kuranstalt zu | etablieren. 1867 stellte der Oste- roder Magistrat der Höheren Bürgerschule (= Gymnasium) die so genannte „Kaffeemühle" ein- schließlich einiger Nebengebäude als Schulhaus zur Verfügung. Der Bereich um die Schachtrupp-Villa gehörte zunächst als Exklave zum Gemeindebezirk Freiheit und wurde erst 1884 in die Stadt Osterode eingegliedert. Seit den 1960er Jahre nutzten einige Am- ter der Stadtverwaltung die Räum- |
lichkeiten der klassizistischen Villa . Heute beherbergt das Haus das städtische Reisebüro, ei- nen Jugendraum und es dient verschiedenen Vereinen als Domizil. Die Nebengebäude - Kavaliershäuser und die ehe- maligen Stallungen - wurden 1971 leider abgerissen .Eine engagierte Bürgerinitiative konnte jedoch erreichen, dass wenigstens das wertvolle Hauptgebäude nicht auch weichen musste. |
Erinnerung an „gute alte Zeiten"Aus den Akten des Osteroder Gymnasiums Von Ekkehard Eder
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OSTERODE. In den aktuellen
Be- richten über das Bildungssystem wird häufig auf den so
genannten Pisa-Schock und
die schlechten Leistungen der
deutschen Schulen im internationalen Vergleich hinge-
wiesen. Auch gibt es Forderungen, den Schülern Benimmunterricht zu erteilen, um
das Verhalten der Heranwachsenden zu verbessern. So
mag sich mancher gerne auf
die „gute, alte Zeit" zurück
besinnen und vermuten, dass
es damals solche Probleme
noch nicht gegeben habe.
Doch beleuchtet z. B. eine kleine Geschichte aus den Akten des Osteroder Gymnasiums, in der der Unterricht im Jahr 1883 ge- schildert wird, dass es auch in der Vergangenheit Schwierigkeiten im Bildungswesen gab: „ ... 2. Weil er [der Lehrer Ernst Casse ] schlecht sieht (mit einem Auge gar nicht), werfen die Schüler mit Nüssen u[nd] Butterbrotstücken in der Klasse herum, ja mit Käsestücken nach der Wandtafel. 3. Weil er die |
Anzahl der Schüler nicht kontrol- lierte,
fehlten oft Schüler in seinen
Stunden, ohne, daß er es
merkte. Noch 1883 erklärte er
selbst in einer Konferenz, daß
er sich bis jetzt noch nicht
darum bekümmert habe, ob
alle Schüler anwesend seien
bei dem Unterricht.
4. Die Schüler sperrten in
der Physik- stunde Schüler in
das physik[alische] Cabinet.
Wenn C[asse] am Ende der
Stunde zurückkam u[nd] sie
da fand, frug er ver- wundert:
„Wie kommen Sie denn hierher?" 5. Die Schüler kommen
bei ihm oft zu spät. 6. Er hält
nur seine Stunden ab; für
Aufsicht auf dem Hof u[nd]
dergl [eichen] hat er absolut
kein Interesse.
Beim Direktor Blauel hat C[asse] auf des Kollegen Hesse Aussage l die Hof-Inspektion geradezu ver- weigert, denn das sei Sache des Direktors. 7. Seine Frageweise entbehrt der guten Form. 8. Auch die schlechtesten Antworten der Schüler bezeichnet er auch mit "gut od[er] schön". 9. Kenntnisse |
haben nur wenige Schüler bei ihm, die sich
selbst treiben, wenigstens unterhalb der Prima...
Ob der Oberlehrer Casse seinen Unterricht daraufhin verbessert hat, geht aus dem Aktenband nicht hervor, jedoch wurde er erst 1890 - also sieben Jahre nach dem kritischen Bericht - pen- sioniert. Stadtarchiv (StadtA) Osterode, Bestand l L IX Nr. 7 c, Programm des Realgymnasiums Osterode 1890/1891, S. 21-22: Biografische Angaben zu Oberlehrer Casse. Martin Granzin: Die Rekto- ren der Osteroder Lateinschu- le, in: Unter dem Harze Nr. 271 vom 14. April 1956: Jo- hann August Conrad Blauel leitete bis 1875 die Schule. StadtA Osterode, Bestand Gym- nasium Nr. 12, Bemerkungen event. beim Verwaltungsbericht o. ähnl. zu verwenden. Casse, o.D.. StadtA Osterode, Bestand Gym- nasium Nr. 12, Realgymnasium Osterode an Provinzialschulkolle- gium Hannover vom 22. 3. 1890. |



