Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode am Harz
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11. Juli 2006 aus dem Harzkurier


Erinnerung an einen ganz „Großen"

Dr. Hans-Peter Trenschel sprach zum 475. Todestag von Tilman Riemenschneider
OSTERODE (red). Tilman Riemenschneider, in Osterode am Harz aufgewachsen und heute als Künstler und Bildschnitzer in der ganzen Welt bekannt, war und fühlte sich zu seinen Lebzeiten als Hand- werker. Das geht aus Rechnungen, Mahnungen und anderen Dokumenten hervor, die Dr. Hans-Peter Trenschel, lange Zeit Direktor des Mainfränkischen Museums in Würzburg ausgewertet hat. Dr. Trenschel schilderte in seinem Festvortrag im Heimatund Geschichtsverein zum 475. Todestag des Künstlers am 7. Juli im gut besuchten Rathaussaal vornehmlich den Menschen Tilman Riemenschneider, ohne dabei auf die Technik und die Themen seiner heute als hervorragende Kunstwerke anerkannten Schnitzarbeiten und Steinbildhauerarbeiten zu verzichten.
Nach seinen Forschungen hat es sich bei Tilman Riemen- schneider um einen hochge- wachsenen, etwa 1.85 Meter großen stattlichen Mann gehandelt. Aus seinen Briefen spricht eine sehr persönliche Herzlichkeit, die aber auch zum Lamentieren neigte. Sein Sohn Jörg Riemenschneider, der die Werkstatt »Am Wolf- mannsziechlein" übernahm, bildete ihn auf der Grabplatte als Bürger mit Barett, schul- terlangen Haaren, mit dem
Harzkurier
11.07.2006
Erinnerung an Tilman Riemenschneider vor dem Gedenkstein.                                       Foto: Feuerriegel
Rosenkranz in den Händen, ab. Das lässt darauf schließen, dass es sich um einen gläubi- gen Katholiken gehandelt hat. Bekanntlich war er anfangs zum Kleriker ausgebildet wor- den. Riemenschneider erreg- te Aufmerksamkeit durch sei- ne Arbeiten. Das geht aus Lob- reden hervor, die aus Ratskrei- sen in Würzburg kamen. Auch die Geistlichkeit fand offen- sichtlich viel Geschmack an den bis ins feinste, lebensecht gestalteten Figuren. Er wurde schon damals um 1500 als ein berühmter Meister gehandelt. Der Handwerker Riemen- schneider war bis zu seiner Verurteilung ein sehr einflus- sreicher, wohlhabender Mann. Ungewöhnlich ist auch, dass er in seiner Werkstatt zeitweise bis zu drei Gesellen beschäftigte. 1525 hat sich Riemenschneider der Sache der aufständischen Bauern angenommen. Damit wurde ihm vom über Würzburg herrschenden Fürstbischoff die Urfehde angesagt. Die Bau- ern unterlagen, und obwohl der Rat Riemenscheider unterstützt hatte, wurde er als ein Hauptveranwortlicher in die Festung Würzburg gebracht und dort offenbar auch gefoltert. Über seinen Tod am 7. Juni 1531 wird nichts berichtet. Ein 1822 auf- gefundener Grabstein ist die einzige Kunde für die Nach- welt. Der stellvertretende Vor- sitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Willi Dan- nenberg begrüßte zu diesem Vortrag am 475. Todestags vie- le Gäste.
Am Nachmittag hatte man sich zunächst am Gedenkstein nahe der Armentieres Brücke getroffen. Riemenschneiders gedacht und Blumen nieder- gelegt. Bemerkenswert war auch die Ausstellung von Rie- menschneider-Portraits, die von Angelika Reinhardt und ihren Schüler in der Eingangs- halle des Rathauses vorberei- tet worden war.


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