Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode am Harz
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Facharbeit Erdkunde

Dörflicher Strukturwandel in Hörden.


Inhaltsverzeichnis

1.0 Einführung

1.1 Vorstellung und Bedeutung des Themas
Das Thema dieser Arbeit ist der dörfliche Strukturwandel der Gemeinde Hörden, die zur Samtgemeinde Hattorf am Harz zählt. Es wird im Verlauf der Arbeit versucht die Entwicklung Hördens nachzuvollziehen, wobei hierzu eine Aufgliederung des Themas in fünf unterschiedliche Bereiche erfolgt. Es kann davon ausgegangen werden, dass der dörfliche Strukturwandel seit dem Zweiten Weltkrieg in besonderem Maße einsetzt, jedoch war trotz intensiver Suche kein Material für die Zeit direkt nach dem Krieg auffindbar. So wird in dieser Arbeit lediglich der Zeitraum vom Anfang der 80er Jahre bis zur Gegenwart behandelt. Allerdings sollen zum besseren Vergleich und für eine größere Übersicht in einigen Themenbereichen auch Ereignisse und Zahlen aus den 60er und 70er Jahren aufgegriffen werden, da der zu behandelnde Zeitraum nicht eindeutig eingegrenzt werden kann, ohne dass die Verständlichkeit des Themas darunter leidet. Darüber hinaus werden zusätzlich die Gebietsreform und das Flurbereinigungsverfahren von 1972 erläutert, da diese Ereignisse wichtige strukturelle Veränderungen für Hörden bewirkten. Um eine Illustration und Veranschaulichung der Aussagen zu ermöglichen, werden geographische Arbeitsmittel wie thematische Karten und Grafiken hinzugefügt. Das Thema des dörflichen Strukturwandels ist einerseits insofern interessant, als dieser nicht nur die Gemeinde Hörden, sondern auch ganz Deutschland betrifft. Hier sind Dörfer ständig im Begriff sich zu wandeln. Andererseits spiegelt sich im dörflichen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte aber auch die Entwicklung zu unserer heutigen Industriegesellschaft wider, was einen weiteren Aspekt für die Bedeutung des Themas darstellt. So zeigt sich zum Beispiel die zunehmende Modernisierung der heutigen Zeit auch in der jetzigen Infrastruktur von Dörfern, die seit dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich verbessert wurde. Doch auch negative Seiten des dörflichen Strukturwandels wie die zunehmenden Probleme von Kleinbetrieben sind durchaus zu verallgemeinern und ein eindeutiges Merkmal dafür, dass die Tendenz schon seit längerem auf Großbetriebe hinzielt, was also weiterhin typisch für die Industriegesellschaft ist. Doch dies sind nur Teilaspekte des Themas, die zusammen mit anderen im Folgenden näher beleuchtet werden sollen.
Das Ziel dieser Arbeit ist daher, den Strukturwandel der Gemeinde Hörden darzustellen, seine Gründe zu nennen und damit auch allgemeine Bezüge herzustellen, wobei der Leser anschließend in der Lage sein soll Vorteile und Nachteile abwägen zu können. Darüber hinaus wird im Schlussteil der Arbeit ein Fazit gezogen, wobei Lösungsmöglichkeiten für Probleme des dörflichen Strukturwandels genannt werden.

1.2 Vorgehensweise
Um an Material für das Thema "Dörflicher Strukturwandel in Hörden" zu gelangen, wurde zunächst mit dem Heimatforscher Klaus Gehmlich Verbindung aufgenommen, da die Hoffnung bestand, mit seiner Hilfe an schriftliches Material gelangen zu können. Doch dieser Weg erwies sich als falsch, denn die von diesem verfassten Bücher bezogen den Zeitraum des 20.Jahrhunderts nicht mit ein. Es wurde klar, dass für das Thema nahezu kein schriftliches Material vorhanden ist, da Klaus Gehmlich der einzige ist, der bisher Bücher über Hörden veröffentlicht hat. So musste also gewissermaßen Neuland betreten werden, was einerseits Schwierigkeiten bei der Materialsuche bedeutete, aber andererseits die Recherchen auch sehr interessant machte. Herr Gehmlich gab den Rat, sich an den Vorsitzenden der Feldmarksinteressentenschaft Hörden, Helmut Trümper sen., zu wenden. Dieser konnte sehr viel über die Entwicklung Hördens berichten und allgemeine Fachliteratur ausleihen. Von diesem wurde auch die nächste Ansprechpartnerin genannt: Elli Peter, die neben mündlichen Berichten auch gesammelte Zeitungsartikel lieferte, anhand derer viele besondere Ereignisse der letzten Jahrzehnte in Hörden nachvollzogen werden konnten. Mit Hilfe von Behörden gelangte der Verfasser an brauchbares Karten- und Datenmaterial. So konnte über das Katasteramt des Landkreises Osterode eine Karte mit dem Nachweis von Gebäuden aus dem Liegenschaftskataster für die Gemarkung Hörden aus dem Jahr 2000 bezogen werden. Diese wurde für die Anfertigung einer fast aktuellen Funktionskartierung von Hörden genutzt. Eine ähnliche Karte aus dem Jahr 1982 lieferte der derzeitige Bürgermeister der Gemeinde Hörden, Werner Bojahr. So konnte unter Mithilfe von Herrn Trümper auch eine Funktionskartierung aus diesem Jahr erstellt werden um diese mit der ersten zu vergleichen. Eine weitere Behörde, die um Material gebeten wurde, war das Niedersächsische Landesamt für Statistik Hier konnte man nach schriftlicher Anfrage allerdings nicht die Anzahl der Neubauten pro Jahr in Hörden erhalten. Der Grund hierfür sind die hohen Kosten, die für eine solche Auskunft entstehen, da der Arbeitsaufwand für die Beamten des Landesamtes sehr hoch ist. Dafür war es möglich, sich nach einer neuen Anfrage die Ergebnisse der Viehzählung von 1999 kostenlos zuschicken zu lassen, so dass diese mit älteren Zahlen vergleichen werden konnten. Das Bauamt der Samtgemeinde Hattorf stellte schließlich doch die gewünschte Statistik der Neubauten sowie die Daten der Fertigstellung von Straßen in den Neubaugebieten von Hörden zur Verfügung. Die Themen Neubauten und Straßenbauten fielen nämlich in das Aufgabenfeld der dort arbeitenden Angestellten. Des Weiteren wurde in der Arbeit ein Luftbild genutzt, das aus einem Kalender der Sparkasse im Kreis Osterode entnommen wurde. Ein weiterer wichtiger Teil der Recherchen war außerdem die Durchführung einer Umfrage unter den Hördener Einwohnern der Neubaugebiete. Hierbei war das Ziel, Aufschlüsse über das Einkaufsverhalten der Menschen zu gewinnen und die Gründe erkennen zu können, weshalb Hörden als Wohnort gewählt wurde. Außerdem sollte deutlich werden, in welchen Städten oder Gebieten die Befragten hauptsächlich arbeiten. Neben den schon genannten Materialien wurde Fachliteratur, das Internet und mündliche Quellen genutzt. Allen namentlich erwähnten und auch nicht genannten Personen, die mich unterstützt haben, sei an dieser Stelle für ihre Hilfe gedankt.


2.0 Hauptteil - der Strukturwandel in Hörden und seine Gründe

2.1 Funktionskartierungen mit Erklärungen und Legende

2.1.1 Erklärungen
Zu Beginn des Hauptteils werden nachfolgend zwei Funktionskartierungen präsentiert. Sie sollen viele der Aussagen und Entwicklungen, die in den nächsten Kapiteln erläutert werden, veranschaulichen. Die Funktionskartierungen geben mit Hilfe farblicher Markierungen die Standorte von verschiedenen Gebäudefunktionen an. Eine Interpretation der Kartierungen erfolgt dabei an dieser Stelle nicht, da diese den folgenden Kapiteln entnommen werden kann. So soll es für den Leser möglich sein die Entwicklung in Hörden nachzuvollziehen. Dabei konnte nur der Zeitraum von 1982 bis 2000 berücksichtigt werden, da für davor liegende Jahre keine geeignete Kartierung vorhanden war.
Zur Anfertigung der Funktionskartierungen wurden die Gebäude in Hörden nach dreizehn verschiedenen Funktionen eingeteilt. Dabei war es nötig, in einigen - eigentlich zusammengehörigen - Bereichen zu differenzieren. So wurde zum Beispiel der Dienstleistungsbereich in klassische Handwerksbetriebe, öffentliche Gebäude, Post, Lebensmittelgeschäfte, Geschäfte für Gebrauchsgüter und moderne Dienstleistungsbetriebe unterteilt, um zu erreichen, dass die Entwicklung in diesen Bereichen separat nachvollzogen werden kann. Außerdem muss hinzugefügt werden, dass es durchaus möglich ist, dass zwei auf den ersten Blick nicht zusammengehörige Gebäude zu einem Besitzer gehören, wie es zum Beispiel bei Landwirten geschehen kann, die außerhalb ihres Hofes noch Scheunen besitzen. Diese sind dann ebenfalls in der entsprechenden Farbe markiert. Es ist daher möglich, dass die Zahl der Gebäude einer Funktion in der Kartierung von später gegebenen Statistiken abweicht.
Gestrichelte Linien bedeuten, dass sich das Gebäude der entsprechenden Funktion gerade im Bau befand.

Die Kartierung von 1982 wurde unter Mithilfe von Helmut Trümper sen. erstellt, die von 2000 ist zum größten Teil auf die Ergebnisse eigener Beobachtungen und Nachforschungen zurückzuführen.

2.2 Entwicklung der Landwirtschaft

2.2.1 Landschaftsform der Hördener Flur
Die wichtigste Voraussetzung für das Betreiben von Landwirtschaft ist eine geeignete Beschaffenheit der Landschaft. Die Hördener Flur weist eine geschützte Lage auf, da sie in einem Tal liegt, das sich zu beiden Seiten der Sieber erstreckt. Im Norden wird das Gebiet von Harzbergen begrenzt und im Süden erhebt sich der Nüllberg. Nach Westen hin ist das Siebertal offen, am Ostrand der Flur liegen die Harzwälder. Der Boden ist größtenteils gut, da es sich um einen milden Lehmboden handelt, was eigentlich eine gute Voraussetzung für Ackerbau ist. Allerdings ist die ganze Flur recht hügelig, was darauf zurückzuführen ist, dass es sich bei dem Gebiet um das Harzvorland handelt. Es sind zwar keine sehr steilen Anstiege vorhanden, jedoch wird die Ausübung von Ackerbau trotzdem durch das unebene Relief behindert.

2.2.2 Anzahl und Art der landwirtschaftlichen Betriebe
Die Landwirtschaft spielte in der gesamten Entwicklung von Hörden immer eine sehr bedeutende Rolle. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts betrieb nahezu jeder Einwohner Hördens Landwirtschaft und selbst im 20. Jahrhundert, direkt nach dem Zweiten Weltkrieg, war die größte Zahl der Bewohner landwirtschaftlich tätig. Hierbei spielte die Viehwirtschaft immer eine größere Rolle als der Ackerbau, da für diesen die hügelige Hördener Flur nicht optimal geeignet war.
In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe allerdings kontinuierlich ab, was das wohl auffallendste Merkmal des dörflichen Strukturwandels darstellt. Bereits in der Mitte der 60er Jahre war erkennbar, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zurückging. Zwar gab es in Hörden zu dieser Zeit noch 64 Nebenerwerbslandwirte, jedoch waren nur noch drei Haupterwerbslandwirte tätig, deren Einkommen laut amtlicher Definition zu mindestens 50% aus der Landwirtschaft resultieren muss. Bis 1980 hatten zwei weitere Haupterwerbslandwirte aufgegeben, außerdem gab es nur noch 26 Nebenerwerbslandwirte. Die Anzahl sank bis 2001 noch weiter, so dass heute in Hörden nur noch ein Haupterwerbs- und sieben Nebenerwerbslandwirte existieren. Die Felder der ehemaligen Landwirte wurden zum größten Teil an andere Landwirte verpachtet, so dass die Größe der bewirtschafteten Fläche nahezu gleich geblieben ist. Ebenfalls interessant ist das Ergebnis der Viehzählungen in drei verschiedenen Jahren.

Viehbestand in Hörden

Pferde Rinder Schweine Schafe Ziegen
1962
45
342
1265
12
74
1982
23
363
451
130
0
1999
6
127
158
71
0

Die Statistik spiegelt einerseits die sinkende Anzahl von Landwirten wider, andererseits kann aber auch erkannt werden, dass in Hörden ein Umschwung in der Art der Landwirtschaft stattgefunden hat. Während nämlich bis vor knapp 20 Jahren eindeutig die Viehwirtschaft in Hörden dominierend war, ist das Verhältnis zwischen Ackerbau und Viehwirtschaft heute ausgeglichen. Dies kann auch damit begründet werden, dass die heute in der Landwirtschaft eingesetzten Maschinen wesentlich moderner und effektiver sind als die vor 20 Jahren genutzten. So kann auch in hügeligen Gegenden wie der Hördener Flur heutzutage besser Ackerbau betrieben werden als früher. Dies ist also ein weiterer Grund für den Rückgang des Viehbestands. Der sinkende Anzahl von Pferden ist im Übrigen auch damit zu begründen, dass diese Tiere in den 60er Jahren in der Landwirtschaft noch gebraucht wurden, wie zum Beispiel beim Ziehen von Pflügen. Diese Aufgaben werden heute allerdings allesamt maschinell erledigt.

2.2.3 Gründe für den Niedergang der Betriebe
Die Tatsache, dass viele Landwirte, nicht nur in Hörden, sondern in ganz Deutschland, ihre Höfe schließen müssen, kann wie folgt erklärt werden:
In den letzten Jahrzehnten und auch heute zielte und zielt die Tendenz immer mehr auf landwirtschaftliche Großbetriebe hin, da viele Landwirte ihre Einnahmen bei sinkenden Erlösen, die für die Produkte erzielt werden, erhalten wollen und so ihre

nach schriftlichen Aufzeichnungen von Herrn Trümper
nach: Niedersächsisches Landesamt für Statistik, Computerauszüge
nach mündlicher Auskunft von Herrn Trümper


produzieren und daher kostengünstiger als kleine arbeiten. So kam es, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte in den letzten Jahren fielen. Dies hatte jedoch für Landwirte mit kleinen Höfen die Konsequenz, dass sie, wenn sie den Betrieb erhalten wollten, vergrößern mussten. Da viele Landwirte jedoch nicht genug Geld hatten, gingen sie einen anderen Weg. Hiermit ist die Spezialisierung auf einzelne landwirtschaftliche Produkte gemeint. Dies bewirkt, dass es heutzutage viele landwirtschaftliche Betriebe gibt, die sich etwa auf Milchviehhaltung oder Schweinezucht spezialisiert haben. Da aber auch diese spezialisierten Betriebe gezwungen sind zu expandieren um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen immer mehr Landwirte aufgeben. Allein in Niedersachsen beträgt deren Zahl jährlich etwa 4000. Der Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe wird auch durch folgenden Vergleich deutlich: In Niedersachsen werden heute wie auch schon 1960 etwa 2,7 Millionen Hektar Fläche landwirtschaftlich genutzt. Damals gab es
allerdings noch mehr als 210000 Landwirte, heute sind es nur noch 70000. 6
So heißt das Diktat für Landwirte auf dem Dorf "Wachsen oder Weichen", was auch an der folgenden Grafik deutlich wird, in der die Entwicklung der Zahl der Landwirte im früheren Gebiet der Bundesrepublik Deutschland mit der der durchschnittlichen Größe landwirtschaftlicher Betriebe verglichen wird.

Ein weiterer Grund für das Aufgeben vieler Landwirte ist, dass die Europäische Union eine Agrarpolitik betreibt, die landwirtschaftlichen Kleinbetrieben nicht entgegenkommt. Im Zuge dieser Politik werden nämlich zunehmend die Grenzen zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union geöffnet. So werden auch die Zölle abgebaut. Dies führt dazu, dass viele landwirtschaftliche Produkte aus dem Ausland importiert werden und so deutsche Kleinbetriebe mit den ausländischen mithalten müssen. Diese haben zu einem großen Teil jedoch wesentlich bessere Strukturen aufzuweisen, wie die Betriebe in England, die im Durchschnitt über fast 80 Hektar verfügen, oder die in Frankreich, die im fruchtbaren und klimatisch günstig gelegenen Pariser Becken ihre Weizenflächen besitzen. So kann allgemein zusammengefasst werden, dass die zu starke Konkurrenz durch Großbetriebe zur Aufgabe vieler Landwirte, auch in Hörden, führt.

2.3 Bauliche Veränderungen

2.3.1 Darstellung der Entwicklung
Auch an baulichen Veränderungen kann der dörfliche Strukturwandel festgemacht werden. So ist eines seiner typischen Merkmale die Entstehung von Neubaugebieten. Diese Entwicklung ist auch in Hörden zu beobachten. In den letzten beiden Jahrzehnten wurden einige neue Straßen fertiggestellt, an denen hauptsächlich neue Einfamilienhäuser gebaut wurden. Zu den Neubauvierteln gehört auch das Gebiet am Ortsausgang in Richtung Elbingerode. Die sich hier befindenden Straßen Messweg, Asternstraße, Tulpenstraße, Rosenstraße, Veilchenstraße, Nelkenstraße und Lilienstraße wurden alle im Jahr 1980 fertiggestellt. Die Straßen "Im Bodden" und Feldhüterweg kamen 1982 hinzu und als vorläufig letzte wurde 1998 die Straße "Unter dem Kleiberg" gebaut.
Für die nahe Zukunft ist geplant, das bisher unbebaute Gebiet, das den Flurnamen "Im Bodden" trägt, ebenfalls in ein Neubaugebiet umzuwandeln. Hier stehen 71 Bauplätze zur Verfügung, so dass bald auch in diesem Gebiet neue Straßen eröffnet und sich die Hördener Neubaugebiete also noch weiter ausdehnen werden. Zum Bau der neuen Straßen muss allerdings noch hinzugefügt werden, dass viele Häuser schon vor der offiziellen Fertigstellung der jeweiligen Straße gebaut wurden. So waren beispielsweise 1980 schon elf Häuser in der Asternstraße vorhanden, deren Bau erst in jenem Jahr beendet wurde.
Jedoch sind es nicht nur die Wohnneubauten, die den Strukturwandel kennzeichnen, sondern auch öffentliche Gebäude, die neu errichtet wurden. So konnten nach der bereits 1963 gebauten Mehrzweckhalle 1979 auch Jugendräume eingerichtet werden und seit 1998 besitzt die Gemeinde auch einen eigenen, neu errichteten Kindergarten. Des Weiteren befindet sich in der Straße "Am Anger" seit etwa einem Jahr eine neue Grundschule im Bau. Als weitere wesentliche Neuerung in den letzten Jahrzehnten ist der Bau der Kanalisation und der Regen- und Schmutzwasserrinnen zu nennen, der erst von 1978 bis 1982 erfolgte. Davor besaß jedes Haus noch seine eigene Sickergrube. Auch die Verkehrsanbindung Hördens ist in den letzten Jahren verbessert worden, da 1987 die Ortsdurchfahrt erneuert wurde und 1990 auch der Ausbau der Kreisstraße zwischen Aschenhütte und Hörden beendet war. Große Diskussionen gab es 1997 und 1998 um eine Neutrassierung der Bundesstraße B 243, die zunächst in unmittelbarer Nähe des Dorfes durch die Feldmark verlaufen sollte. Die Gemeinderäte von Hörden und Elbingerode sprachen sich gegen diese Möglichkeit aus, es wurde von der Landesregierung jedoch dennoch beschlossen, die Trasse gegen den Willen der Hördener westlich des Nüllbergs verlaufen zu lassen. Allerdings wird wohl erst in frühestens zehn Jahren mit dem Bau begonnen werden.

2.3.2 Bedeutung der baulichen Veränderungen und ihre Gründe Diese Statistik zeigt, in welchem Jahr die Neubauten jeweils genehmigt wurden.
Es wird deutlich, dass die Werte im Zeitraum von 1983 bis 1992 relativ konstant liegen, es also nur geringe Abweichungen nach oben und unten gibt. Dagegen steigt ab 1993 die Anzahl der Neubauten stark an und - mit Ausnahme von 1995 - liegen alle Werte im zweistelligen Bereich. Das Jahr 2001 wird in diesem Fall nicht mit berücksichtigt, da die Werte nur bis zum 14. September vorliegen.
Der starke Anstieg der Anzahl an Neubauten seit 1993 ist dadurch zu erklären, dass das Gebiet "Unter dem Kleiberg" 1994 von der Forst Katlenburg als Bauland verkauft wurde. So wurden in diesem und in den folgenden Jahren besonders viele Baugenehmigungen erteilt, obwohl Ver- und Entsorgungseinrichtungen, also Elektro- und Gasanschlüsse sowie die Kanalisation, erst 1996 gewährleistet waren. In diesem Jahr wurden dann schließlich auch die ersten Häuser an der Straße "Unter dem Kleiberg" bezogen. Die relativ konstante Anzahl von Neubauten im Zeitraum von 1982 bis 1993 kommt dadurch zu Stande, dass in den Straßen am Ortsausgang in Richtung Elbingerode und in der Straße "Im Bodden" schon vor dem von der Statistik erfassten Zeitraum viele Häuser fertiggestellt wurden, so dass nur noch einige Baulücken bebaut werden konnten. Also ist der Grund für die geringe Anzahl von Neubauten der, dass im Vergleich zu den letzten acht Jahren einfach weniger Baugrundstücke zur Verfügung standen. Die Entwicklung der Neubaugebiete lässt sich im Übrigen auch an der jeweiligen Einwohnerzahl erkennen, da diese im Zeitraum von 1987 bis 1995 von 1042 auf 1109 anstieg. In den Jahren bis 1999 kamen noch einmal 39 Einwohner hinzu, so dass die Gesamtzahl am Anfang jenes Jahres bei 1148 lag. Allerdings muss zur Entstehung der Neubaugebiete ergänzt werden, dass durch die flächige Bebauung auch viel Natur verlorenging.
Die Errichtung der Mehrzweckhalle und der Bau der Kanalisation geschah im Zuge der allgemeinen Modernisierung der Dörfer. Diese Phase reichte zwar größtenteils nur bis zum Ende der 60er Jahre, jedoch ist gerade der Bau der Kanalisation, der zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse dringend erforderlich war, ein typisches Merkmal der Dorfmodernisierung, die bereits nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte. Nach den unterbliebenen Verbesserungen in den davor liegenden 20 Jahren bestand hier ein erheblicher Nachholbedarf, der durch den Flüchtlingszuzug noch verstärkt wurde. Des Weiteren stiegen die Ansprüche an dörfliches Leben stetig, so dass eine Welle von verschiedenen Maßnahmen einsetzte. Viele dieser Maßnahmen erfolgten jedoch erst in der Phase der Dorferneuerung in den 80er und 90er Jahren. Sie versucht, die Folgen des Bruchs der dörflichen Identität zu kompensieren, der dadurch erfolgte, dass durch den Zuzug von Stadtbewohnern eine neue Generation von Dorfbewohnern hinzukam, die keinerlei Beziehungen zum alten Dorf hatte, so dass auch die ursprüngliche dörfliche Mentalität teilweise verlorenging, was also einen weiteren negativen Aspekt des dörflichen Strukturwandels darstellt. Diesen strukturellen Veränderungen und Brüchen versucht die Dorferneuerung zum Beispiel durch Baumaßnahmen zu begegnen. So wird deutlich, dass der Neubau der Grundschule und des Kindergartens direkt mit dieser Phase zusammenhängt. Allerdings war die Errichtung dieser Gebäude auch insofern erforderlich, als durch den Zuzug von Menschen nun eine höhere Nachfrage nach diesen Einrichtungen bestand, wobei die Gemeinde durch gesetzliche Auflagen sowieso zu ihrem Bau gezwungen wird.

2.3.3 Die Bewohner der Neubaugebiete
Wie in dem vorherigen Kapitel erwähnt, sind viele Menschen nach Hörden gezogen um hier in einem Einfamilienhaus leben zu können. Jedoch blieben hierbei einige Fragen, zum Beispiel die der Gründe dafür, offen. Daher startete ich eine Umfrage in den Neubaugebieten, deren Ergebnisse im Folgenden dargestellt und erläutert werden sollen. ( Der entsprechende Fragebogen befindet sich im Anhang.)

Umfrage (99 Befragte)

Es wird deutlich, dass von den 99 befragten Hördenern 26 in Herzberg arbeiten. Dieses Ergebnis übertrifft klar die Zahl der Pendler, die in Osterode arbeiten, welche 15 beträgt. Des Weiteren ist ein beträchtlicher Teil der Befragten in Hörden beschäftigt, auch Bad Lauterberg wurde als Arbeitsort genannt. Die hohe Zahl der Nicht-Erwerbstätigen ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass einige der Befragten als Rentner nicht mehr im Berufsleben stehen. Ein Grund für die hohe Zahl der in Herzberg Arbeitenden ist in der räumlichen Nähe Herzbergs zu Hörden zu sehen. Die Entfernung nach Herzberg ist von Hörden aus geringer als die nach Osterode, vier Kilometer gegenüber mehr als zehn. Daher ließen viele der Befragten, die in Herzberg arbeiten, einen Neubau in Hörden anfertigen um eine möglichst geringe Entfernung zum Arbeitsplatz zu haben.
Erstaunlich hoch erscheint auf den ersten Blick die Zahl der Befragten, die in Hörden arbeiten. Dies kann jedoch dadurch erklärt werden, dass in Hörden mit dem Unternehmen Henze-Glas und dem Holzwerk Mackensen zwei Betriebe angesiedelt sind, die eine Vielzahl von Arbeitern und Angestellten beschäftigen. (Mehrfachnennungen waren möglich)
Anhand dieser Grafiken wird klar, dass die befragten Hördener sowohl Lebensmittel als auch Kleidung hauptsächlich in Osterode einkaufen. Auch Herzberg wird als Einkaufsziel genannt, jedoch in deutlich geringerem Maße. Während Lebensmittel auch in Hörden und Hattorf eingekauft werden, fahren die Befragten beim Kauf von Kleidung auch in weiter entfernte Städte wie Göttingen. Beim Kleidungskauf spielt Hörden gar keine und Hattorf nur eine untergeordnete Rolle.
Die Gründe für das Ergebnis sind offensichtlich: Osterode besitzt im Gegensatz zu Herzberg und auch zu Bad Lauterberg eine wesentlich größere Auswahl an Geschäften sowohl in Bezug auf Lebensmittel als auch auf Kleidung. Dies ist unter anderem auf die Tatsache zurückzuführen, dass Herzberg und Bad Lauterberg als Unterzentrum, Osterode aber als Mittelzentrum eingestuft sind. Zentrale Orte besitzen einen Bedeutungsüberschuss gegenüber ihrem Umland, was bei Osterode eindeutig der Fall ist, da die Kreisstadt trotz der größeren Entfernung im Vergleich zu Herzberg von den Befragten häufiger zum Einkaufen besucht wird. Die Tatsache, dass 25 Befragte in Hörden einkaufen, kann damit erklärt werden, dass dies für die Hördener den kürzesten Anfahrtsweg bedeutet. Außerdem unterstützen viele Hördener aus Solidarität die ortsansässigen Geschäfte wie Bäcker, Fleischer und den Spar-Markt. Ältere Menschen sind zudem auf Einkaufsmöglichkeiten in Hörden angewiesen.
Schließlich wurde Göttingen als Einkaufsziel bei Kleidungskäufen genannt, was seinen Grund in der wesentlich größeren Auswahl an Bekleidungsgeschäften im Vergleich zu den Städten im Landkreis Osterode hat, da es Oberzentrum ist. Hierbei nehmen die Befragten auch eine deutlich längere Anfahrtszeit in Kauf. (Mehrfachnennungen waren möglich)
Bei diesem Teil der Umfrage stellte sich heraus, dass viele der Befragten die Ruhe und Ländlichkeit Hördens schätzen. Weitere bedeutende Gründe für die Wahl Hördens als Wohnort sind die Nähe zum Arbeitsplatz, die niedrigen Grundstückspreise und die Tatsache, dass einige der Befragten schon in Hörden geboren wurden.
Die Bevölkerungszahlen in den Städten mit über 10000 Einwohnern sind von 1980 bis heute gesunken, während die der Dörfer konstant blieben oder anwuchsen. Ein Grund hierfür könnte sein, dass viele Menschen heutzutage Ruhe suchen und so Städte verlassen. Daher ist die Ländlichkeit eines Dorfes wie Hördens gefragt. Außerdem wollen viele Menschen in Naturnähe wohnen und wünschen sich intakte Nachbarschaften. Dieses ist in Hörden beides der Fall. Dass die Nähe zum Arbeitsplatz als Antwort in dieser Statistik auftaucht, ist leicht nachzuvollziehen, arbeiten doch fast alle Befragten in der näheren Umgebung. 28 Befragte gaben die Grundstückspreise als einen Grund für das Wohnen in Hörden an. Dies kann anhand von Zahlen untermauert werden. So lagen 1994 die Grundstückspreise in der Straße "Im Bodden" bei 54 DM/m2, wobei die Erschließungskosten inbegriffen sind. In größeren Orten wie Bad Lauterberg liegen die Preise schon deutlich höher, etwa bei 80 DM/m2. Doch auch dies ist kein Vergleich zu denen in Großstädten wie Düsseldorf, wo für Grundstücke in mittleren Wohnlagen 780 DM/m2 bezahlt werden müssen. Diese Zahlen zeigen, dass Grundstückspreise durchaus eine Rolle bei der Wahl des Wohnortes spielen können. 26 Befragte gaben als Grund für ein Wohnen in Hörden an in dem Dorf geboren zu sein. Die Tatsache, dass sie immer noch in Hörden wohnen, zeigt eine gewisse Heimatverbundenheit.
Es gibt noch weitere Gründe für ein Wohnen in einem Dorf, die von den Befragten nicht genannt wurden, aber sicherlich auch von Bedeutung sind. So ist für viele Menschen wichtig, dass ihre Kinder in einer überschaubaren Umgebung aufwachsen, was in einem Dorf gegeben ist. Des Weiteren spielt der in Hörden vorhandene Gemeinschaftssinn eine Rolle, der im krassen Gegensatz zum anonymen Wohnen in einer Großstadt steht. Auch Probleme, mit denen Dorfbewohner vor einigen Jahren noch konfrontiert wurden, sind größtenteils beseitigt. Zum Beispiel ist es dank der Mobilität durch Autos auch für Dorfbewohner möglich, am Kultur- und Freizeitangebot größerer Städte teilzunehmen, auch weiterführende Schulen können durch Bustransfers mittlerweile problemlos erreicht werden.

2.4 Industrie, Handwerk und Geschäfte
Ein weiteres Merkmal des dörflichen Strukturwandels ist die Tatsache, dass nach und nach Industrie, Handwerksbetriebe und Geschäfte aus dem Dorfbild verschwinden. Auch in diesem Punkt ist die Entwicklung Hördens vergleichbar mit der anderer Dörfer, jedoch vollzieht sich in dieser Hinsicht der dörfliche Strukturwandel in Hörden weniger deutlich als in anderen Bereichen. Dies ist daran zu erkennen, dass auch heute noch recht viele Betriebe in Hörden existieren. Allerdings mussten in den letzten zwei Jahrzehnten trotzdem einige Geschäfte sowie die Poststelle geschlossen werden und einige Handwerker ihre Selbstständigkeit aufgeben; hierzu folgende Übersicht:

Name Jahr der Aufgabe/ Schließung Name Jahr der Aufgabe/ Schließung
Sägewerk Kunstin
1984
Raumausstatter Peter
1994
Elektromeister Behrens
1985
Quelle-Versand
1997
Ingenieur Schmidt
Mitte der 80er Jahre
Rewe-Markt
1998
Bäckerei Peter
1991
Post
1998
Lackierbetrieb Sturm
1992
Secondhandshop
1999

Dagegen wurden nur ein Geschäft für Motorkleingeräte 1995 und ein Getränkemarkt 1998 innerhalb des behandelten Zeitraums neu eröffnet. Zusätzlich machte sich der Handwerker Franz Berger 1984 mit Bandstahlschnitten selbstständig, in den Jahren 1996 und 1997 folgten Reiner Gropengiesser und Andreas Minde mit Elektroinstallation beziehungsweise Heizungsbau. An diesen Aufstellungen wird aber dennoch deutlich, dass die Zahl der Aufgaben die der Neueröffnungen doch übertrifft, wenn auch nicht in absoluter Deutlichkeit.
Die Gründe für die Schließungen waren verschieden. So musste der Bäckermeister Otto Peter sein Geschäft aus gesundheitlichen Gründen schließen, der Raumausstatter Heinz Peter gab aus Altersgründen seine Selbstständigkeit auf. Die überwiegende Ursache war für die Betriebe, wie auch in anderen Dörfern, jedoch die zu große Konkurrenz durch Großbetriebe. So ist beispielsweise die Schließung des Quelle-Versands und des Rewe-Marktes darauf zurückzuführen, dass in der näheren Umgebung andere Geschäfte öffneten, die den kleinen keine Chance mehr ließen. Dieses schwerwiegende Problem, mit dem im Übrigen auch kleine Geschäfte in Innenstädten konfrontiert werden, geht vor allem von den sogenannten "Einkaufszentren auf der grünen Wiese" aus; hierzu kann man auch den Kaufland-Markt in Osterode zählen. Diese Märkte können ihre Waren zum einen billiger verkaufen als kleine Geschäfte, zum anderen stellen sie insofern einen Anziehungspunkt dar, als sie eine immense Vielfalt im Warensortiment aufweisen können, mit der Geschäfte in Dörfern natürlich nicht mithalten können, so dass diese nach und nach aufgeben müssen.

2.5 Verwaltungstechnisch bedingte strukturelle Änderungen

2.5.1 Die Gebiets- und Verwaltungsreform
Die Gebiets- und Verwaltungsreform, bei der unter anderem 4062 Gemeinden zu 415 größeren kommunalen Verwaltungseinheiten wurden, fand in Niedersachsen von 1965 bis zum Ende des Jahres 1977 statt. Im Zuge dieser wurde die vorher selbstständige Gemeinde Hörden 1972 zusammen mit Hattorf, Wulften und Elbingerode zur Samtgemeinde Hattorf zusammengefasst. Der Grund für die Zusammenlegung von Gemeinden war, dass auf Grund des Strukturwandels auf dem Land ihre Verwaltungsorganisation dieser Entwicklung nicht mehr entsprach. Die neue Untergrenze für Gemeinden wurde bei 5000 Einwohnern gesetzt, so dass dadurch eine größere Verwaltungskraft entstehen sollte. Außerdem ging die Planung davon aus, dass es für die neuen Einheits- und Samtgemeinden möglich sei mit höherer Effektivität zu arbeiten und Planungsaufgaben zur Gemeindeentwicklung eigenständig zu übernehmen. Eine weitere Maßnahme war zudem, die ehrenamtlichen Verwaltungsbeamten durch hauptamtliche zu ersetzen um so die Leistungsfähigkeit der Gemeinden zu fördern. Im Falle der Samtgemeinde Hattorf wurde gestattet einzelne Ortsverwaltungen einzusetzen, da die Fläche der Samtgemeinde zu ausgedehnt ist. So besitzt Hörden auch heute noch einen Gemeinderat und einen ehrenamtlichen Bürgermeister, Werner Bojahr. Der Samtgemeinderat wird im Übrigen direkt gewählt, der Samtgemeindebürgermeister ist seit 2001 hauptamtlich tätig.
Für Hörden bedeutete diese Reform eine strukturelle Änderung, da demokratische Mitspracherechte abgebaut wurden und die Gemeinde viele Kompetenzen verlor. So wies diese Zentralisierungsmaßnahme für Hörden auch eindeutige Nachteile auf.

2.5.2 Die Flurbereinigungsverfahren
Eine wichtige Bedeutung bei dem strukturellen Wandel in der Hördener Feldmark besitzen zwei Flurbereinigungsverfahren, von denen eins bereits durchgeführt wurde und ein weiteres noch im Gange ist. Man kann diese Maßnahmen allgemein als ein behördlich eingeleitetes Verfahren definieren, das zersplitterten ländlichen Grundbesitz zu größeren Flächen zusammenlegt. Das erste Flurbereinigungsverfahren in der Hördener Feldmark mit dem Namen Hörden-Elbingerode fand von 1971 bis 1985 statt. Hierbei wurden nicht nur kleinere Flächen zu großen zusammengeschlossen, sondern auch Wege gebaut. Es wurde allerdings auf die Natur geachtet und den Gewässern ihr eigener Lauf gelassen.
Die Ziele eines Flurbereinigungsverfahrens, welche auch in dem in Hörden und Elbingerode durchgeführten verfolgt wurden, sind vielfältig. So soll durch die Zusammenlegung von Flächen eine Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft erreicht werden. Des Weiteren ist es ein Ziel, die Landschaft als Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen neu zu gestalten und die Wohn-, Wirtschafts- und Erholungsfunktion ländlicher Räume zu verbessern. Weiterhin wichtig ist, dass bei Flurbereinigungsverfahren darauf geachtet werden muss, dass die betroffenen Grundstücksbesitzer nach dem Verfahren Grundstücke mit gleichem Wert erhalten. Diese Besitzer bilden zusammen mit den betroffenen Gemeinden und Gemeindeverbänden die sogenannte Teilnehmergemeinschaft, die auch Kosten des Verfahrens mit übernehmen muss. Der Hauptteil der Kosten wird allerdings vom Bund und dem jeweiligen Land und Landkreis getragen. Im Zeitraum der ersten Flurbereinigung betrugen jene etwa 1465 DM/ha bei normalen und 2570 DM/ha bei schwierigen Fällen. Dieses erste Verfahren bedeutete für die Hördener Landwirte eine Steigerung der Effektivität von Viehwirtschaft und Ackerbau.
Seit 1994 läuft in der Hördener Feldmark ein zweites Flurbereinigungsverfahren, das vermutlich bis 2002 andauern wird. Dieses Verfahren hat zum Ziel das Naturschutzgebiet zu erweitern. Die neuen Flächen dürfen nur noch nach naturschutzrechtlichen Bedingungen bewirtschaftet werden, was bedeutet, dass kein Dünger verwendet werden darf. In diesem Verfahren wurde im Übrigen nun auch der Spahnberg verkoppelt, der beim ersten Flurbereinigungsverfahren und auch bei der Verkoppelung von 1871 nicht berücksichtigt wurde. Es wurden nun Streuobstwiesen auf dem Berg angelegt.


3.0 Schlussteil
In diesem Schlussteil sollen noch einmal kurz die Probleme des dörflichen Strukturwandels genannt werden und Möglichkeiten zu ihrer Lösung oder Abschwächung gegeben werden. Das schwerwiegendste Problem ist hierbei wohl der Niedergang der Landwirtschaft. Es bestünde jedoch für sie die Chance auf ökologische Landwirtschaft umzusteigen, da in diesem Bereich die Konkurrenz im Vergleich zur "herkömmlichen" Landwirtschaft geringer ist und außerdem die Verbraucher in der heutigen Zeit ein besonderes Augenmerk auf Produkte mit sicherer Herkunft richten. So wird das Umsteigen auf ökologische Landwirtschaft von der Öffentlichkeit in den letzten Jahren auf dem Hintergrund der BSE-Fälle, des Medikamentenmissbrauchs bei der Viehhaltung sowie der Massentierhaltung sowieso angemahnt. Hörden böte im Zuge dieser Neuorientierung in der Landwirtschaft dank seiner großen Weide- und Ackerflächen gute Voraussetzungen für eine ökologisch orientierte Landwirtschaft. Mit Hilfe von ökologischer Landwirtschaft könnte auch ein weiteres Problem wenigstens eingedämmt werden. So bestünde theoretisch die Möglichkeit, in Hörden Geschäfte einzurichten, die ausschließlich ökologisch angebaute Produkte anbieten. Solche Geschäfte stehen kaum in Konkurrenzkampf, da die Qualität ihrer Waren von Großmärkten nicht erreicht wird. Es könnte zum Beispiel frisches Gemüse oder Fleisch von den "Ökohöfen" angeboten werden, wobei sogar höhere Preise verlangt werden könnten, da sich sicherlich ein Kundenstamm finden würde. Das Risiko der Betriebsaufgabe wäre kaum zu befürchten.

Ein weiteres Problem des dörflichen Strukturwandels ist sicherlich der Verlust der ursprünglichen dörflichen Mentalität. Um diese wieder herzustellen, existiert auch in Hörden ein reges Vereinsleben. Allerdings ist es darüber hinaus wichtig, dass unbedingt Einrichtungen wie die Grundschule erhalten bleiben und nicht Zentralisierungsmaßnahmen zum Opfer fallen, da sie einen gewissen Zusammenhalt unter Kindern und Eltern garantieren. Des Weiteren ist es von Bedeutung, ältere Dorfbewohner ab 65 Jahren, die immerhin ein Sechstel der Hördener Bevölkerung ausmachen, zu unterstützen, damit diese nicht gezwungen sind in Altenheime zu gehen. In diesem Zusammenhang sollte unter allen Umständen der Spar-Markt in Hörden gehalten werden, da Einkäufe außerhalb Hördens für ältere Menschen kaum möglich sind.
Ein Punkt, der in Hörden nahezu keine Rolle spielt, ist der Fremdenverkehr. Hierbei könnte jedoch durchaus Abhilfe geschaffen werden, indem man etwa geführte Wanderungen oder Fahrradtouren durch das sicherlich attraktive Naturschutzgebiet, das zum Teil zur Hördener Feldmark gehört, anböte. Durch eine geschickte Werbestrategie könnte erreicht werden, dass viele Menschen, wobei die Zielgruppe vor allem ältere Menschen oder Familien sein könnte, die Möglichkeit zur Wanderung auf den Karstwanderwegen nutzen würden und so etwa für ein Wochenende oder mehrere Tage in den Hördener Gaststätten oder in den, zugegebenermaßen sehr wenigen, Ferienwohnungen Hördens einkehren könnten. So würde das für Touristen weitgehend uninteressante Dorf Hörden durchaus zu einem Anziehungspunkt. Dieser Vorschlag steht zwar nicht direkt im Zusammenhang mit den Problemen des dörflichen Strukturwandels, wäre aber bei seiner Verwirklichung durchaus vorteilhaft für Hörden, so dass er hier aufgeführt wird.


Literaturverzeichnis

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2. Feldmarksinteressentenschaft Hörden, Satzung des Realverbands, Hörden 1982
3. Harz Kurier, Menschen und Wirtschaft im Wandel, Osterode 2000
4. Klaus Gehmlich, Hörden Teil 1, Hörden 1982
5. Klaus Gehmlich, Hörden Teil 2, Osterode 1997
6. Klaus Gehmlich, Hörden/Harz im Wandel der Zeit, Hörden 1990
7. Dr. Walter Leisering, Putzger Historischer Weltatlas, Berlin 1974
8. Dr. Ferdinand Meyer, Diercke Handbuch, Braunschweig 1976
9. Landkreis Osterode am Harz, Statistische Informationen 1995, Osterode 1995
10. Landkreis Osterode am Harz, Statistische Informationen 1999, Osterode 1999
11. Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung, Gründung des Landes Niedersachsen, Hannover 1986
12. Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung, Niedersachsen Streiflichter aus 50 Jahren, Hannover 1996
13. Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung, Niedersachsen Politische Landeskunde, Hannover 1987
14. Günter Tesmer und Klaus Thomas, Das niedersächsische Realverbandsgesetz, Wiesbaden 1998
15. Norbert Thomas, So wollen wir wohnen, In: Stern (2001), Heft Nr.40
16. Georg-Christoph von Unruh, Gebiets- und Verwaltungsreform in Niedersachsen 1965-1978, Hannover 1978


Internetquellen
1.
http://www.geschichte.uni-hannover.de
2. http://www.radiobremen.de
3. http://www.uni-marburg.de
4. http://www.dvw.de







Erklärungen


1. Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Facharbeit selbstständig angefertigt, keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt und die Stellen der Facharbeit, die im Wortlaut oder im wesentlichen Inhalt aus anderen Werken entnommen wurden, mit genauer Quellenangabe kenntlich gemacht habe.


2. Hiermit erkläre ich, dass ich damit einverstanden bin, wenn die von mir verfasste Facharbeit der schulinternen Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.



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Malte Keller/__________________