Das Leben Martin Luthers
Das Leben Martin Luthers läßt sich grob in vier Abschnitte unterteilen:
1. Luthers Kindheit und Jugend
2. Luthers Zeit als Mönch Professor Theologie
3. Luthers Zeit auf der Wartburg
und
4. Luther zurück in Wittenberg, Leben mit Katharina von Bora und Tod
1. Luthers Kindheit und Jugend
Am 10.11.1483 wurde Martin Luther (ursprünglich Luder, er nannte sich erst später Luther) in Eisleben geboren. Sein Vater Hans Luther, der Sohn eines Bauern, zog kurz nach der Geburt Luthers mit seiner Familie von Eisleben nach Mansfeld um dort die Existenz der Familie durch eine Beteiligung im Kupferbergbau zu sichern.
Schon nach kurzer Zeit waren die Luthers angesehene Leute in der Stadt. Seine Mutter Margarethe Luther geb. Ziegler musste ihn und seine Geschwister versorgen und war eine strenge Erzieherin.
Luther ging zur Latainschule, in der noch barbarische Lehrmethoden vorherrschten. Er galt als sehr begabt. 1497 ging Luther in Magdeburg an die Schule der "Brüder vom gemeinsamen Leben". 1498 ging er zu Verwandten in Eisenach. Dort lernte er an der städtischen Pfarrschule in Eisenach. Die finanzielle Situation ließ es zu, dass Luther 1501 ein Studium an der Universität in Erfurt beginnen konnte. Sein Vater hoffte, seinen Sohn mit einem Jurastudium zu einer guten Existenz als Jurist zu verhelfen.
1.1. Luther als Student in Erfurt
Zur Zeit Luthers musste man erst die sogenannten sieben freien Künste erlernen, bevor man sich einer höheren Fakultät zuwandte. Dies tat Luther und erhielt 1502 das Bakkalaureat, den ersten akademischen Grad. 1505 wurde er Magister. Sein Vater hoffte, dass sein Jurastudium ebenso gut verlaufen würde. Luther jedoch versprach während eines Gewitters am 2. Juli 1505 Mönch zu werden, denn er wurde auf der Rückreise von seinen Eltern nach Wittenberg beinahe von einem Blitz getroffen und sogar von dem Luftdruck zu Boden geworfen. In diesem Moment rief er zur heilige Anna:"Hilf du heilige Anna, ich will Mönch werden."
Am 17.07.1505 begab er sich dann zum Zorn seines Vaters in das schwarze Kloster der Augustiner-Eremiten zu Erfurt, wo er 1506 das Mönchsgelübde ablegte.
2. Luthers Zeit als Mönch und Professor der Theologie
2.1. Luther als Mönch
Das Mönchsleben war zur Zeit Luthers sehr hart. Es wurde bestimmt durch Fasten, Beten
und Arbeit. Um 3 Uhr musste man schon zum ersten Stundengebet aufstehen. Diese Zeit prägte Luther sehr, da er eine sehr enge Beziehung zur Bibel fand, die ihn auch in seinen späteren Schriften kennzeichnete. Auch wird sie durch den Beginn starker innerer Glaubenskämpfe gekennzeichnet.
1507 wurde Luther zum Priester geweiht. In diesem Jahr begann er auch sein Studium in Theologie und Scholastik, kam aber auch mit Ideen der Humanistik in Berührung.
Luther wurde immer erfolgreicher. Er stieg vom Klosterprediger über Distriktsvikar schließlich zum Nachfolger des Generalvikars Staupitz auf, dessen Amt er, als Professor der Theologie an der theologischen Fakultät Wittenberg durchführte.
2.2. Luther als Professor in Wittenberg
Luther, der 1512 Doktor der Theologie geworden war, erhielt seine "Leucorea" (Bibelprofessur) und hielt Vorlesungen über den Römer-, Galater-, Hebräerbrief und über die Psalme. Diese Zeit ist durch eine starken Ringen um seine religiöse Erkenntnis geprägt. Die für ihn entscheidende Erkenntnis soll er beim intensiven Studium des Römerbriefes (Legende vom Turmerlebnis) erlangt haben. Zu dieser Zeit bildete sich mehr und mehr ein Theologenkreis um Luther, dem auch der Theologe und Professor Nikolaus von Amsdorf angehörte. 1514 wurde auch Luther als Prediger in die Wittenberger Stadtkirche berufen.
2.3. Der Thesenanschlag und seine Folgen
2.3.1. Die Vorgeschichte
Luther musste feststellen, dass viele Menschen nicht mehr zu ihm in die Beichte kamen, sondern in andere Städte reisten um dort Ablassbriefe zu kaufen. Da die Kurie in Rom und der in Deutschland mit den Ablassbriefen beauftragte Bischof Albrecht von Brandenburg immer stärken in Geldnot gerieten, nahm der Ablassbriefhandel ab 1507 immer größere Ausmaße an. Es wurde berichtet, dass man beim Dominikanermönch Johann Tetzel sogar die Sünden Verstorbener tilgen konnte. Tetzel soll sogar gesagt haben: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt."
2.3.2. Der Thesenanschlag
Luther stellte sich so sehr gegen den Ablass, dass er am 31.10.1517 einen Brief schrieb, dem er 95 Thesen zugrunde legte. Das Luther sie mit lautem Hammerschlag an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg genagelt haben soll, ist aber wohl nur eine Legende.
2.3.3. Die Reaktionen
Luther hatte die Thesen nur an wenige Freunde geschickt, doch schon am Ende desselben Jahres waren schon Drucke in Leipzig, Nürnberg und Basel zu finden. Es gab eifrige Zustimmungen von den humanistischen Gelehrten, als auch völlige Ablehnung von der römischen Kirche. Luther soll von Tetzel sogar eine Morddrohung erhalten haben. Die Bischöfe reagierten vorerst nicht so drastisch. Sie berichteten dem Papst von einem aufmüpfigen in den eigenen Reihen und wiesen ein paar Vorgesetzte darauf hin, den Aufmüpfigen etwas zu zähmen. Es kam sogar Zustimmung von den Bischöfen, das Luther einige Fehler an der Kirche erkannte.
Durch den wachsenden Druck sah Luther sich gezwungen, durch weitere Schriften die Thesen zu erläutern. Er äußerte sich 1518, dass er ja lediglich einen Missstand beseitigen und nicht das ganze Papsttum aus den Angeln heben wollte. Doch nichts konnte die Reformations-Lawine aufhalten. Die Kurie reagierten so drastisch, dass sie sogar 1518 den Ketzerprozess eröffneten, der aber 1519 schon wieder ruhte, da das Land mit der Nachfolge des verstorbenen Kaisers Maximillian beschäftigt war. Als dann Karl V. zum Kaiser gewählt wurde, ging der Kampf jedoch weiter.
2.4. Banndrohung und Banndrohungsbulle
2.4.1. Luthers Abgrenzung zum Papst
Durch die ständigen Angriffe grenzt sich Luther immer mehr vom Papst ab. In dieser Zeit (um 1520/21) schreibt er auch seine berühmten Bücher "An den christlichen Adel deutscher Nation", "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche" und "Von der Freiheit des Christenmenschen".
2.4.2. Luthers Verbrennung der Banndrohungsbulle und Legung des Bannfluches
Luther stellte sich nun mehr und mehr gegen den Papst. Er soll sogar seine Banndrohungsbulle mitsamt Kirchengesetztbuch auf dem Platz, auf dem sich die heutige Lutherkirche befindet, verbrannt haben. Daraufhin verhängte der Papst den Bannfluch über Luther. Da Luther sehr beliebt war im Lande, sah sich der Kaiser gezungen Luther auf den Reichstag zu Worms einzuladen.
2.5. Luther auf dem Reichstag zu Worms
Luther sollte in Worms seine Lehre widerrufen. Aber auf der Anreise schon sah seine Fahrt nicht nach einer Büßerfahrt aus, sondern eher wie eine Triumpf-Fahrt. Er wurde allerorts mit Begeisterung empfangen, predigte sogar in Erfurt, Gotha und Eisenach.
2.5.1. Luthers Auftreten auf dem Reichstag
Luther widerrief seine Lehre auch nach zweimaligem Auftreten vor dem Kaiser nicht. Er soll gesagt haben, dass er wiederrufe wenn die Kirche ihm das Gegenteil aus der heiligen Schrift (Bibel) beweisen könnte.
Es wird beschrieben, Luthers Auftreten soll sehr überlegt, sachlich und klug gewesen sein. Da Luther seine Lehre nicht widerrufen hatte, verhängte der Papst den endgültigen Bann und die Reichsacht über ihn. Auf dem Rückweg wurde Luther von Kurfürst Friedrich dem Weisen zum Anschein und zu seinem eigenen Wohle entführt und auf die Wartburg gebracht.
3. Luthers Zeit auf der Wartburg
Luther tauchte auf der Wartburg zu seinem eigenen Schutz unter. Er tarnte sich als Junker Jörg der Barbier und pflegte Haupthaar und Bart.
Luther schaffte es (um 1521/22) in nur elf Wochen das Neue Testament aus dem griechischen ins Deutsche zu übersetzen. Später übersetzte er auch noch das Alte Testament.
Während Luthers Abwesenheit entwickelte sich Wittenberg mehr und mehr zum Zentrum der Reformation. Luther verfolgte das ganze Geschehen in Wittenberg über Briefkontakt mit seinen Mitstreitern in Wittenberg. 1522, nachdem die Reformation Überhand zu gewinnen schien, kehrte Luther nach Wittenberg zurück.
4. Luther zurück in Wittenberg und nach seiner Heirat mit Katharina von Bora
4.1. Luther zurück in Wittenberg
Die Reformation war schon so weit fortgeschritten als Luther nach Wittenberg zurückkehrt, dass er sogar einige Reformen rückgängig macht, da er die Gefahr sieht, dass einige Leute sich zum Übergang vom katholischen zu seinem Glauben gezwungen sehen. Das wollte Luther nicht. Luthers Leben wurde als Geächteter immer sicherer. Der zweite Nürnberger Reichstag machte den Bann gegen Luther unwirksam. Auf dem dritten Nürnberger Reichstag wurde dieser zwar erneuert, jedoch bestand keine Gefahr, dass Luther verhaftet werden könnte, da die Reformation schon zu weit fortgeschritten war und Luther immer beliebter beim Volk wurde.
Nun konnte Luther seine Reformation in die Praxis umsetzen. Er predigte in vielen Städten um den Leuten sein neues Evangelium zu lehren. Auch krempelte er das Schulwesen um.
4.2. Der Bauernkrieg
In Luthers eigenen Reihen kam es zu Aufständen der Bauern, die auch noch von einem ehemaligen Anhänger Luthers, Priester Thomas Münzer, gefördert wurden. Sie wollten gerechte Verhältnisse zwischen den oberen und unteren Schichten. Deswegen forderten sie den Sturz der oberen Schicht. Am Ende verloren die Bauern aber in einer schlimmen Schlacht bei Frankenhausen.
4.3. Luthers Hochzeit mit Katharina von Bora
1525 heiratete Luther die aus dem Kloster geflohene Nonne Katharina von Bora. Viele Freunde von Luther fanden die Heirat nicht richtig, weil sie darin den Untergang der Reformation befürchteten. Katharina erwies sich aber als eine sehr gute Haushälterin und Gärtnerin und beeinträchtigte die Arbeiten Luthers nicht.
4.4. Luthers Wirken ab 1525
Luther fuhr in den folgenden Jahren mit der Neuordnung des Kirchen- und Gemeindewesens fort. Er erreichte auch, dass einige Maßnahmen zur Festigung der Reformation durchgeführt wurden.
4.5. Der Fortgang der Reformation in der Reichspolitik
Auf dem ersten Reichstag zu Speyer wurde eine Möglichkeit geschaffen, die Reformation rechtsgültig zu machen. Es wurde den Landesfürsten überlassen, bis zu welchem Grad die Reformation fortschreiten konnte. Zwar endete der Augsburger Reichstag mit einem Verbot jeglicher Erneuerungen, jedoch durften die Reformatoren die "Augsburger Konfession" verlesen, in deren Werken die Bekenntnisse ausführlich dargelegt wurden.
4.6. Luthers Lebensabend
Luther wurde in den letzten Jahren seines Lebens von vielen Krankheiten geplagt.
Auch der Tod seiner Tochter Magdalena machte ihm schwer zu schaffen. In dieser Zeit verschlechterte sich sein Verhältnis zu Andersgläubigen und Juden mehr und mehr. Den Kampf gegen die Feinde der Reformation führte er jedoch weiter. Seinen letzten Schlag gegen die katholische Kirche führte er mit seiner Schrift "Wider das Papsttum zu Rom vom Teufel gestifft!" aus. Auch seine Vorlesungen an der Universität hielt er bis zu seinem Lebensende weiter.
4.7. Luthers Tod
Der nun immer mehr von Krankheiten geplagte Luther brach am 17.1.1546 nach Eisleben auf, um dort die Streitigkeiten in der Mannsfelder Grafenfamilie zu schlichten. Am 18. Februar 1546 starb Luther in seines Geburtsort Eisleben. Er wurde nach Wittenberg überführt und am 22. Februar in der Schloßkirche zu Wittenberg beigesetzt. Die Grabrede hielt Johannes Bugenhagen, ein enger Vertrauter Luthers.
Kurzbiographie:
1483 (10.11.) Geburt Luthers in Eisleben
1488 Eintritt in die Lateinschule
1505 (17.07.) Eintritt in das Schwarze Kloster der Augustiner-Eremiten zu Erfurt
1512 Doktor der Theologie
1517 hielt Vorlesungen über Psalter- und Römerbrief; Thesenanschlag
1521 Ächtung und Flucht auf die Wartburg
1522 Rückkehr nach Wittenberg
1525 Heirat mit Katharina von Bora
1534 Herausgabe der Bibel in deutscher Übersetzung
1535 Bildung der Kommission zur Überprüfung der vorliegenden Bibelübersetzung
1546 (18.02.) Tod in Eisleben
1546 (22.02.) Beisetzung in Wittenberg
für: Geschichte



